Corona-Stimmungsbarometer: Mediennutzung in der Corona-Krise (5. Welle)

Die Angst vor einer Ansteckung (57% der Befragten) ist wieder gestiegen, gleichzeitig auch erstmals seit April die Bereitschaft, vorübergehend Freiheitsrechte aufzugeben (80%). Trotzdem findet der Umgang der Regierung mit der Corona-Krise nur mehr bei der Hälfte der Bevölkerung Zustimmung und ist damit seit Juni (75%) konstant rückläufig. Der Anteil jener, die meinen, die Pandemie sei nicht unter Kontrolle, erreicht mit 83% den höchsten Wert seit dem Ausbruch der Krise. Beim Medienkonsum macht sich eine Corona-Ermüdung breit.

Anbieter: Gallup
Veröffentlicht: Nov 2020
Autor: Dr. Andrea Fronaschütz
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktforschung
Branchen: Gesundheit • Marketing & Medien • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags: Corona Krise • Krisenpolitik • Mediennutzung • Nachrichtenverweigerung

Kernergebnisse der Studie

  • Geringe Zustimmung zur Krisenpolitik der Regierung
  • Situation in Österreich im EU-Vergleich positiv
  • Corona-Nachrichtenverweigerung steigt

 Inhalte der Studie

  • Wie sehr stimmen Sie folgenden Aussagen zu?
    • Ich habe Angst, dass entweder ich mich selbst oder jemand in meiner Familie sich mit dem Coronavirus ansteckt.
    • Ich glaube, dass die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, übertrieben wird.
    • Ich denke, dass die Österreichische Regierung mit dem Coronavirus richtig umgeht.
    • Ich bin dazu bereit, einige meiner Freiheitsrechte vorübergehend aufzugeben, wenn es hilft, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.
  • Wie sehr stimmen Sie persönlich folgenden Aussagen zu?
    • Die Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung (Freiheitseinschränkungen usw.) werden insgesamt mehr Schäden verursachen als COVID-19 / Corona selbst.
    • Freiheitseinschränkungen und soziale Isolierung werden indirekt zu mehr gesundheitlichen Schäden führen als COVID19 / Corona selbst.
    • Die wirtschaftlichen Folgen der CoronaMaßnahmen werden das Leben von mehr Menschen in unserem Land zerstören als COVID 19 / Corona selbst.
  • ​Wie schätzen Sie Österreichs Corona-Politik im Vergleich zu anderen EU-Ländern ein? Wie sehrstimmen Sie folgenden Aussagen zu?
  • Wie gut fühlen Sie sich selbst über die Krankheit COVID-19 bzw. das Coronavirus informiert?
  • Wie viel Zeit haben Sie gestern aufgewendet, um sich über COVID-19 / Corona zu informieren?
  • Kommt es bei Ihnen vor, dass Sie Corona-Nachrichten aktiv meiden bzw. auf diese bewusst verzichten? Warum versuchen Sie die Corona-Nachrichten zu meiden?
  • Welche Medien haben Sie in den vergangenen Tagen genutzt, um sich über das Coronavirus und die Entwicklungen im Zusammenhang mit dieser Erkrankung zu informieren? 
  • Mehrwert von Nachrichtenmedien – Top 3 (Ranking nach Glaubwürdigkeit)

 

  • „Die Befragten stellen den Zusammenhang zwischen Ansteckungsrisiko und Reduzierung persönlicher Freiheit her, trotzdem ist die Beurteilung der Regierungsmaßnahmen auf dem tiefsten Punkt seit Beginn der Corona-Krise. Besonders bei der Einschätzung der Kollateralschäden der Corona-Politik sind erstmals die Pessimisten in der Überzahl: 63% meinen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Maßnahmen das Leben von mehr Menschen in unserem Land zerstören werden als die Krankheit selbst und 56% fürchten, dass die soziale Isolation indirekt mehr Schäden verursachen wird als COVID-19,“ so die Leiterin des Gallup Instituts, Andrea Fronaschütz.

Weitere Indikatoren für ein suboptimales Krisenmanagement sind sinkendes Vertrauen in das Gesundheitssystem (von 53% auf 40%), die Meinung, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht (mit 44% auf MärzNiveau) und die Unsicherheit, ob nicht eine fremde Macht hinter der Verbreitung des Virus steckt: Hier ist, wie bereits im März, ein Viertel ratlos. Der Anteil jener, die an eine Corona-Verschwörung glauben, bleibt mit 27% der Bevölkerung stabil.

60% der Österreicher sind der Meinung, dass es ihnen in der CoronaKrise besser geht als Menschen in anderen EU-Ländern, 42% sehen Österreich bei der Bewältigung der Krise auf einem besseren Weg, nur 39% sind der Meinung, dass die Regierung dafür eine bessere Strategie als andere EU-Länder hat.

Medien:

Welche Medien haben Sie in den vergangenen Tagen genutzt, um sich über das Coronavirus und die Entwicklungen im Zusammenhang mit dieser Erkrankung zu informieren? 

Welche Medien haben Sie in den vergangenen Tagen genutzt, um sich über das Coronavirus und die Entwicklungen im Zusammenhang mit dieser Erkrankung zu informieren?

Beim Medienkonsum macht sich eine Corona-Ermüdung breit, die mittlerweile bei beträchtlichen 81% der Österreicher zu aktivem Vermeiden von Corona-Nachrichten geführt hat: Mehr als ein Drittel verweigern (sehr) häufig Corona-Nachrichten, weitere 46% weichen diesen gelegentlich bewusst aus.

Glaubwürdigkeit und Relevanz bei der Corona-Berichterstattung bleiben bei einigen Medien zwar auf einem sehr hohen Niveau, gleichzeitig kann man einen Rückgang bei der Beurteilung dieser Kriterien beobachten. Beispiel Glaubwürdigkeit: ORF (November 75%, April 85%), Der Standard (November 87%, April 89%), OÖN (November 80%, April 87%), SN (November 80%, April 88%), Die Presse (November 77%, April 82%) und Radio Ö1 (November 87%, April 91%).

Fronaschütz: „Trotz der Ermüdung werden die TraditionsMedienmarken für den aktuellen Informationsbedarf auf nationaler als auch regionaler Ebene von den Österreichern am intensivsten genutzt. Qualitätstitel mit einem guten Online-Angebot verzeichnen den höchsten Anteil unter den jungen Lesern.“

Die Motive für die Nachrichtenverweigerung liegen einerseits an den Medien: Mangelnder Überblick bzw. Überlastung durch zu viele Nachrichten bei fast der Hälfte (45%), Unsicherheit, welchen der unterschiedlichen Quellen man vertrauen soll bei rund einem Drittel. Andererseits haben sie mit der eigenen Befindlichkeit zu tun: Bei jeweils einem knappen Drittel ist es die Einsicht, dass man an der Situation nichts ändern kann bzw. werden die Nachrichten als belastend empfunden.

„Die sinkenden Werte für Glaubwürdigkeit und Relevanz der CoronaBerichterstattung lassen die Frage aufkommen, ob der Journalismus den Spagat schafft, die Öffentlichkeit einerseits objektiv zu informieren und anderseits die Rezipienten emotional nicht zu überfordern. Einigen Medienhäusern gelingt es gerade in der Krise, ihre jeweiligen Nutzer zu binden: So hat sich Servus-TV mit kritischen Aussagen zu Corona-Maßnahmen offenbar eine Community von CoronaSkeptikern geschaffen, die dem Sender hohe Relevanz und Glaubwürdigkeit zusprechen. Das Publikumsinteresse an CoronaInformation ist in unseren Befragungsergebnissen höher als der sonst übliche Marktanteil von Servus TV,“ kommentiert Fronaschütz.

Diese Studie wird in Kooperation mit Medienhaus Wien durchgeführt.

Studiensteckbrief

  • Bevölkerungsrepräsentative Umfrage des Österreichischen Gallup Instituts
  • Methode: Computer Assisted Web Interviewing im Gallup Onlinepanel, rep. für die webaktive Bevölkerung 16+
  • durchgeführt vom 5.-10. November 2020, 1.000 Befragte

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