Freudenfest oder Trauerspiel? Der Versuch einer Vorschau auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi

Das Österreichische Olympische Komitee hat mit 130 Sportlern ein Rekordaufgebot für die kommenden Olympischen Winterspiele nominiert. Die Werbemaschinerie des ORF rührt seit Wochen die Trommel für seine Olympiaberichterstattung und die Printmedien kündigen umfangreiche Sonderbeilagen an. Fast ist man geneigt zu meinen, ein ganzes Land fiebert den Olympischen Spielen gebannt entgegen

Anbieter: Spectra
Veröffentlicht: Jan 2014
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktforschung
Branchen: Marketing & Medien • Tourismus, Freizeit & Sport • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags: Aussenpolitik • Mediennutzung • Olympia • Politik • Sport • Testimonial • Wintersport

Das Österreichische Olympische Komitee hat mit 130 Sportlern ein Rekordaufgebot für die kommenden Olympischen Winterspiele nominiert. Die Werbemaschinerie des ORF rührt seit Wochen die Trommel für seine Olympiaberichterstattung und die Printmedien kündigen umfangreiche Sonderbeilagen an. Fast ist man geneigt zu meinen, ein ganzes Land fiebert den Olympischen Spielen gebannt entgegen. So ungeteilt ist die Vorfreude auf Sotschi 2014 jedoch nicht: Das Wintersportereignis dieses Jahres stößt nämlich nicht nur auf ungetrübte Vorfreude und Interesse, sondern lässt - zumindest knapp vor Beginn der Spiele - fast die Hälfte der Österreicher (47%) im wahrsten Sinne des Wortes kalt.

Die andere Hälfte der österreichischen Bevölkerung bekundet hingegen eine gewisse Vorfreude auf die Olympischen Spiele im Februar. Somit hält sich das Verhältnis von Österreichern, in denen das Olympische Feuer zumindest ein bisschen lodert und Österreichern, die den Spielen die kalte Schulter zeigen, die Waage. Als besonders Olympia-affin stellen sich Männer, über 30jährige, aktive Freizeitsportler bzw. regelmäßige Nutzer des Sportangebots im Fernsehen heraus. D.h. Sportskanonen und Couch-Potatoes harren gleichermaßen der Dinge, die da in Sotschi kommen.

Zum Fernsehsport ist allgemein zu sagen, dass ein Viertel der Österreicher sehr oft (14%) bzw. oft (13%) Sportübertragungen im TV verfolgt. Dieses Segment ist naturgemäß das Kernpublikum der Olympischen Spiele und wird ergänzt von Menschen, die nur ab und zu Sport im Fernsehen verfolgen (etwa bei besonderen Events oder Großveranstaltungen). Grundsätzlich ist die Zustimmung zu Sport im Fernsehen sehr hoch und 75% der Befragten empfinden den Sportanteil im Fernsehen als gerade richtig.

Diese Zahl lässt nur einen Schluss zu: Wer gerne (gängige) Sportarten im TV verfolgt, ist sehr gut versorgt, wer Sport im Fernsehen nicht sehen will, runzelt vielleicht ob der vielen Sportübertragungen die Stirn, findet aber trotzdem genügend Programmalternativen vor.

Die Olympischen Winterspiele 2014 fallen demnach in Österreich auf durchaus fruchtbaren Boden und so erscheint es logisch, dass 78% der Österreicher knapp vor der Eröffnungszeremonie spontan wissen, dass Sotschi der Austragungsort 2014 ist.

Wenig überraschend sind es die Alpinen Skirennen (82% werden die Alpinbewerbe voraussichtlich genauer verfolgen) und das Skispringen (62%), die das Interesse der Olympiainteressierten auf sich ziehen (auf Basis der Gesamtbevölkerung, also inklusive der Bevölkerung, die sich nicht / kaum für Olympia interessiert, fallen diese Werte selbstverständlich niedriger aus). Bereits deutlich weniger Beachtung finden die Nordische Kombination (19%), Eishockey (17%), Biathlon (16%) und das Langlaufen (12%). Diese „Randsportarten“ sind eher für männliche Zuseher attraktiv, während der Gegenpol das Eiskunstlaufen ist, welches eher von Frauen verfolgt wird.

Gemessen an der Medaillenbilanz von Vancouver 2010 (16 olympische Medaillen für österreichische Sportler) und Turin 2006 (23 Medaillen) fallen die Prognosen – „egal“ ob aus der Sicht von Sportlern / besonders Sportinteressierten oder der restlichen Bevölkerung - mit 6 (Medianberechnung) bis 8 (Mittelwertberechnung) Medaillen für österreichische Sportler in Sotschi sehr gedämpft aus. Spectra hat diese Frage gänzlich ungestützt gestellt (also ohne die Nennung der Erfolgsbilanz der vorherigen Olympischen Spiele) und man sieht deutlich, wie moderat die tatsächliche Erwartungshaltung ausfällt. Der Erfolgsdruck, von dem oft zu hören ist, ist also durchaus auch „hausgemacht“ und rührt von dem ständigen (medialen) Verweis auf vergangene Glanztaten her. ......

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