Kinderbedürfnissen während der Corona-Krise in Österreich

Während Kinderrechte in Österreich im Verfassungsrang stehen, ist dies beispielsweise bei unseren deutschen Nachbarn noch in Diskussion. Über diese Frage hinaus hat sich INTEGRAL anlässlich des Weltkindertags am 20. September umgehört: Wo besteht der größte Handlungsbedarf der Politik? Wie schätzt die Bevölkerung die Armutsgefährdung unserer Kinder ein? Und wie wird es den heutigen Kindern in der Zukunft ergehen?

Anbieter: Integral
Veröffentlicht: Okt 2020
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktforschung
Branchen: Gesundheit • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags: Corona Krise

Österreich ist ein kinderfreundliches Land

Die gute Nachricht zuerst: Vier von fünf Befragten stufen Österreich als ein kinderfreundliches Land ein. Männer und Personen zwischen 18 und 29 Jahren urteilen besonders positiv. Hingegen gibt es keine Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Kinder unter 18.

Berücksichtigung von Kinderbedürfnissen während der Corona-Krise ist ausbaufähig

Positive Bewertung der Kinderrechte im internationalen Vergleich

Eine klare Mehrheit ist sich einig, dass es in Österreich um Kinderrechte besser gestellt ist als in den meisten anderen Ländern der Welt: 85% stimmen dieser Aussage sehr oder eher zu, insbesondere jene, die selbst Kinder unter 18 Jahren haben. Unsere deutschen Nachbarn sind hingegen nur zu 77% dieser Ansicht.

Dennoch großer Handlungsbedarf der Politik

Trotz der guten Bewertungen finden es zwei Drittel sehr oder eher wichtig, dass es den Weltkindertag gibt, der auf die Rechte und Bedürfnisse der Kinder aufmerksam macht. Denn die Wunschliste an die Politik ist lange: Den größten Handlungsbedarf orten die Befragten mit 82% beim Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch, gefolgt vom Schutz von Kindern vor Gewalt (79%). 76% fordern Verbesserungen beim Recht auf Kontakt zu beiden Elternteilen bei Trennung der Eltern, und genauso viele bei der Bereitstellung von Kinderbetreuungs-Plätzen. Mit 76% ist auch der Wunsch nach Gleichheit von Bildungschancen stark ausgeprägt. Über die meisten Bereiche hinweg fällt auf, dass die Gruppe der 50- bis 69-Jährigen die Verantwortlichen am stärksten in der Pflicht sieht. Hingegen treten Personen mit eigenen Kindern bis 18 kaum fordernder auf als der Durchschnitt.

Mehrheit sieht die Bedürfnisse von Kindern in der Corona-Krise zu wenig berücksichtigt

6 von 10 Befragten sind der Ansicht, die Bedürfnisse der Kleinen kämen in der Corona-Krise zu kurz. Insbesondere vertreten Personen in der Altersgruppe 18-29 sowie jene, die minderjährige Kinder haben, diese Meinung.

Fakten statt Mythen: Bedrohung von Kinderarmut wird sogar überschätzt

Die Befragten schätzen, dass 28% der Kinder von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Die (relativ) gute Nachricht: Laut Eurostat sind dies mit 20% im Jahr 2019 um fast ein Drittel weniger als angenommen. Unsere deutschen Nachbarn verschätzen sich sogar noch stärker: Der Vermutung von 30% stehen tatsächliche 17% (Eurostat 2018) gegenüber. Allerdings könnte sich das Thema Kinderarmut nun in der Corona-Krise verschärfen.

Zukunftsaussichten der Kinder vor allem durch Klimawandel und ökonomische Herausforderungen geprägt

Die Befragten wagten auch einen Blick in die Zukunft. Der Befund: Die Zukunftsaussichten der aktuellen Kinder-Generation sind durchwachsen. Verglichen mit den heutigen Erwachsenen werden sie vor allem die Folgen des Klimawandels stärker zu spüren bekommen (87% Zustimmung). Sie werden jedoch auch in einer vielfältigeren Gesellschaft leben (85%) und öfter mit Pandemien konfrontiert sein (75%). Auch werden sie es schwerer haben, einen Job zu finden (70%). Nur 55% hegen die Hoffnung, dass sie einen höheren Lebensstandard genießen werden und gar nur 37%, dass sie in einer gerechteren Gesellschaft leben werden. „Nachdem seit dem Zweiten Weltkrieg nachfolgende Generationen sicher sein konnten, dass es ihnen besser geht als jenen ihrer Eltern und Großeltern, bildet sich langsam ein Bewusstsein heraus, dass dies für die Kohorte der aktuell unter 20-jährigen nicht mehr gilt“, so Martin Mayr, Mitglied der Geschäftsleitung von INTEGRAL.

Informationen zur Studie und zum Thema Corona:

Gunther Oswalder
+436643314900
gunther.oswalder@marktmeinungmensch.at

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