Österreichische Führungskräfte Lobbying-Studie 2014

Welchen Stellenwert hat Lobbying für die heimischen Führungskräfte? In welcher Form und durch wen versuchen Unternehmen ihre Interessen zu vertreten? Kovar & Partners haben gemeinsam mit dem Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) im Februar 2014 eine österreichweite Befragung der Mitglieder desWdF durchgeführt.

Anbieter: Wirtschaftsformum der Führungskräfte
Veröffentlicht: Mai 2014
Autor: Andreas Kovar, Wolfgang Hammerer, Bettina Fernsebner-Kokert
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktforschung
Branchen: Marketing & Medien • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags: Führungskräfte • Gesetz • Interessensvertretung • Lobbying • Politik • Wirtschaft • Öffentliche Meinung

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Das Ergebnis der „Österreichischen Lobbying-Führungskräfte-Studie 2014“ verdeutlicht, dass Lobbying und Interessenvertretung in Österreich angekommen sind. Mehr als 60 Prozent der heimischen Unternehmen betreiben aktive Interessenvertretung, bei den Großunternehmen sind es sogar 80 Prozent. Nahezu alle Unternehmen (knapp 97 Prozent) beobachten die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Entwicklungen.

Mehr als die Hälfte gab an, dass Interessenvertretung zur Informationsbeschaffung dient und somit wichtige Entscheidungsgrundlagen liefert. Hier gilt: Je größer die Unternehmen, umso höher wird der Nutzen für den Unternehmenserfolg bewertet. Drei Viertel der großen Unternehmen betrauen eigene Mitarbeiter mit der Interessenvertretung. Großes Potential liegt noch bei den Vereinen und Verbänden: Schließlich setzen mehr als 40 Prozent der befragten Führungskräfte bei der Interessenvertretung auf diese Organisationen. Der Anteil der externen Berater dürfte im knapp zweistelligen Bereich liegen. Es gaben zwar 20 Prozent an Berater zu beauftragen, da nicht explizit nach Public Affairs-Beratung gefragt wurde, dürften auch Kommunikations- oder Rechtsberatung miteinbezogen worden sein.

Bedeutung von Interessenvertretung wächst

Ziel der vorliegenden Studie war es, die bisher fehlenden Quantifizierungen zu Lobbying und Interessenvertretung zu liefern: Für die „Österreichische Führungskräfte-Lobbying-Studie 2014“, die Kovar & Partners und das Wirtschaftsforum der Führungskräfte durchgeführt haben, wurden Geschäftsführer, CEOs, Vorstände sowie Manager der 1. bis 3. Ebene befragt. Lobbying und Public Affairs sind als Unternehmensfunktion bereits Standard und werden weiter an Bedeutung gewinnen. Der Public Affairs-Beratermarkt ist in Österreich immer noch wenig entwickelt und es gibt nur wenige spezialisierte Agenturen. Es gibt noch großes Potential, diese Dienstleistung weiter zu entwickeln.

Chancengerechtigkeit bei der Partizipation und Qualitätsmanagement statt Lobbying-Hysterie

In einer pluralistischen Gesellschaft besteht großes Interesse an Partizipation. Der Bedarf an politischen Entscheidungen und die komplexen Zusammenhänge machen Lobbying wichtig. Daher ist in der öffentlichen Diskussion, in der Gesetzgebung und in den Unternehmen ein neuer, sachlicher Zugang notwendig, denn der bisherige Umgang mit der Vertretung und Vermittlung von Interessen ist nicht adäquat. Es ist Zeit, die Lobbying-Hysterie in der öffentlichen und medialen Diskussion zu beenden. Korruption und Lobbying sind nicht dasselbe, Lobbying musste in der Vergangenheit als Bezeichnung für allerhand verdeckte Zahlungen und anderer Malversationen herhalten.

Lobbying findet keineswegs im gesetzesfreien Raum statt, der Gesetzgeber muss allerdings bei den Rahmenbedingungen der Registrierungspflicht im Lobbyinggesetz nachbessern – und die Gesetzgebungsprozesse müssen transparent werden und die Beteiligung ermöglichen. Für die Unternehmen bedeutet dies, dass sie Qualitätsmanagement und Compliance Management für Public Affairs und Lobbying brauchen. Unternehmen werden immer stärker zu politischen Playern. Die Umfrageergebnisse zeigen somit auch, dass das Engagement der Zivilgesellschaft wächst. Die Studie ist daher auch als Beitrag zu betrachten, die Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu stärken, um die anstehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme besser lösen zu können.

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