Österreichische Gesundheitsbefragung 2014

Die Ergebnisse der Gesundheitsbefragung 2014 zeigen einerseits die Verbreitung chronischer Krankheiten oder Adipositas und andererseits, wie es um das individuelle Gesundheitsbewusstsein sowie die Inanspruchnahme der Vorsorgeangebote und medizinischer Versorgungsleistungen bestellt ist.

Anbieter: Statistik Austria
Veröffentlicht: Nov 2015
Auftraggeber: Bundesministerium für Gesundheit & Bundesgesundheitsagentur
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktforschung
Branchen: Gesundheit • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags: Gesundheit • Gesundheitsbewusstsein • Gesundheitspolitik • Gesundheitssystem • Gesundheitsversorgung • Krankheiten • Lebensqualität • Pflege

Zusammenfassung

Diese statistischen Informationen über den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung sowie über die Inanspruchnahme der einzelnen Leistungserbringer des Gesundheitswesens bilden eine unverzichtbare Grundlage für die Gesundheitsberichterstattung und eine zielgerichtete Gesundheitspolitik. Als Weiterentwicklung bisheriger Gesundheitsbefragungen wurden diesmal erstmalig auch Informationen zum Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren erhoben.

Statistik Austria führte im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundesgesundheitsagentur von Oktober 2013 bis Juni 2015 eine auf der Europäischen Gesundheitsbefragung basierende österreichweite Erhebung zum Thema „Gesundheit“ durch. Insgesamt wurden 15.771 zufällig ausgewählte Personen zu ihrem Gesundheitszustand, zum Gesundheitsverhalten sowie zur Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung in Privathaushalten ab 15 Jahren (hochgerechnet 7,2 Mio. Personen). Für mehrere Themenbereiche der Befragung sind Vergleiche mit der 2006/07 durchgeführten Gesundheitsbefragung möglich.

Gesundheit nach Geschlecht, Erberbsstatus und formaler Bildung

Wie stark beeinflussen die Lebenslage und der soziale Status den individuellen Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen beauftragten Analyse jener Daten, die Statistik Austria im Rahmen der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2014 erhoben hat. Bildungsstand, Erwerbsstatus und auch die Art der beruflichen Tätigkeit haben einen prägenden Einfluss auf das Gesundheitsverhalten. So stehen ein geringer Bildungsstand und Arbeitslosigkeit häufig mit gesundheitlichen Risikofaktoren wie Rauchen und starkes Übergewicht oder einer schlechteren Einschätzung der eigenen Gesundheit in Zusammenhang.

Gesundheitszustand

In der Befragung bewerteten 79 % der Österreicherinnen und Österreicher ihren eigenen Gesundheitszustand mit „sehr gut“ oder „gut“. Nur 5 % der Bevölkerung beurteilten ihre Gesundheit mit „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Frauen sahen ihren allgemeinen Gesundheitszustand etwas pessimistischer als Männer: Mit 81 % „sehr gut“ oder „gut“ lagen die Männer um vier Prozentpunkte vor den Frauen (77 %). Im langfristigen Trend stieg (unter Berücksichtigung der Altersstruktur der Bevölkerung) der Anteil der Personen, die ihren Gesundheitszustand als zumindest „gut“ beurteilten. Dadurch erhöhte sich die Lebenserwartung in Gesundheit im Vergleich zu 2006/07 um 4,2 Jahre bei den Männern bzw. um 2,7 Jahre bei den Frauen.

Nach Vorgabe einer Liste von 17 Erkrankungen wurde am häufigsten über chronische Kreuzschmerzen oder ein anderes chronisches Rückenleiden berichtet: 1,8 Mio. Personen bzw. 24 % der Bevölkerung waren davon betroffen. Bei der Bevölkerung ab 75 Jahren waren es sogar jede zweite Frau und jeder dritte Mann. An zweiter Stelle der Liste der chronischen Krankheiten standen Allergien (1,7 Mio. Personen), gefolgt von Bluthochdruck (1,5 Mio. Personen) und chronische Nackenschmerzen sowie sonstigen Schmerzen an der Halswirbelsäule (1,3 Mio. Personen). Chronische Krankheitsbilder, die bei Frauen wesentlich häufiger auftraten als bei Männern waren Arthrose, Depression, chronische Kopfschmerzen und Harninkontinenz.

3,6 Mio. Personen gaben an, innerhalb der vier Wochen vor der Befragung Schmerzen gehabt zu haben. Frauen ebenso wie ältere Personen berichteten häufiger über Schmerzen als Männer. Mit zunehmendem Alter traten auch vermehrt starke bzw. sehr starke Schmerzen auf.

200.000 Männer und 305.000 Frauen waren aufgrund eines dauerhaften gesundheitlichen Problems bei Tätigkeiten des Alltagslebens stark eingeschränkt, weitere 800.000 Männer und 970.000 Frauen waren etwas eingeschränkt. Dies betraf besonders häufig ältere Bevölkerungsgruppen.

Über Probleme bei der selbständigen Ausübung von zumindest einer Basisaktivität der täglichen Körperpflege und Versorgung der eigenen Person berichteten 249.000 Personen ab 65 Jahren (84.000 Männer und 165.000 Frauen). Etwa ein Viertel der Betroffenen hatte keine oder keine ausreichende Unterstützung. Frauen hatten häufiger nicht gedeckten Betreuungsbedarf als Männer.

Die selbständige Verrichtung wichtiger Tätigkeiten bei der Führung des Haushalts (wie z. B. Einkäufe erledigen oder Mahlzeiten zubereiten) war für 433.000 Personen ab 65 Jahren aus gesundheitlichen Gründen problematisch (115.000 Männer und 318.000 Frauen). Frauen im Alter von 75 Jahren und mehr waren am stärksten davon betroffen: jede zweite berichtete über Probleme mit der selbständigen Haushaltsführung. Etwa jedem fünften Mann und einem Drittel der Frauen mit Problemen bei der Haushaltsführung fehlte ausreichende Hilfe.

Gesundheitsverhalten

16 % der Männer und 13 % der Frauen waren gemäß der WHO-Definition adipös (fettleibig). Hochgerechnet sind dies 548.000 Männer und 489.000 Frauen ab 15 Jahren. Der Anteil der adipösen Bevölkerung ist seit 2006/07 bei den Männern um 3,3 Prozentpunkte gestiegen, bei den Frauen jedoch gleichgeblieben. 1,76 Mio. Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren rauchten täglich, das waren im Vergleich zu 2006/07 um 134.000 Personen mehr. Dieser Anstieg war wesentlich dadurch bedingt, dass immer mehr Frauen täglich zur Zigarette griffen. Die Raucherquote der Männer lag 2014 bei 27 % (Rückgang gegenüber 2006/07 um einen Prozentpunkt), bei den Frauen bei 22 % (Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber 2006/07). Etwa ein Fünftel der nicht täglich rauchenden Bevölkerung war dem Passiv-Rauchen ausgesetzt. Am größten war die Belastung bei den 15- bis 29-Jährigen - hier war nahezu jede dritte Person von Passiv-Rauchen betroffen. Etwa die Hälfte der österreichischen Bevölkerung übte entsprechend einer WHO-Empfehlung ausreichend Bewegung aus, das heißt zumindest 150 Minuten Sport, Fitness oder körperliche Aktivität in der Freizeit pro Woche. Männer waren geringfügig aktiver als Frauen (52 % bzw. 49 %). Jede dritte Person erfüllte das zweite WHO-Kriterium bzw. übte zumindest zweimal in der Woche Tätigkeiten zum Aufbau und zur Kräftigung der Muskulatur aus, Männer etwas öfter als Frauen (36 % bzw. 29 %). Rund ein Viertel aller Personen erfüllte beide WHO-Kriterien. Junge Männer (18 bis 29 Jahre) waren besonders sportlich aktiv (43 % erfüllten beide WHO-Empfehlungen).

Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen

75 % der österreichischen Bevölkerung hatten einen aufrechten Impfschutz gegen Tetanus, 65 % waren zeckengeimpft (FSME). Die Grippeschutzimpfung wurde mit zunehmendem Alter häufiger in Anspruch genommen: 18 % der Personen ab 60 Jahren hatten einen aufrechten Grippeimpfschutz, jedoch nur 5 % der Personen unter 60 Jahren. Etwa die Hälfte der Frauen ab 15 Jahren ließ in den zwölf Monaten vor der Befragung einen Krebsabstrich durchführen, der zur Früherkennung von Gebärmutterkrebs dient. Berücksichtigte man die drei vor der Befragung liegenden Jahre, erhöhte sich der Prozentsatz auf 78 %. Drei Viertel der Frauen ab 45 Jahren hatten in den vorangegangenen drei Jahren eine Mammographie in Anspruch genommen. Rund ein Drittel der Befragten ab 50 Jahren ließ im Jahr vor der Befragung einen Okkultbluttest vornehmen, weitere 47 % vor länger als zwölf Monaten. Einer Darmspiegelung hatten sich jemals 59 % der Befragten ab 50 Jahren unterzogen. Drei von vier Österreicherinnen und Österreichern ab 15 Jahren (76 %) waren in den zwölf Monaten vor der Befragung in allgemeinmedizinischer Behandlung. Nur geringfügig weniger Personen hatten im Jahr vor der Befragung einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin aufgesucht (72 %). 55 % der Männer und 71 % der Frauen konsultierten in den zwölf Monaten vor der Befragung zumindest einen Facharzt oder eine Fachärztin. Am häufigsten wurde ein Gynäkologe oder eine Gynäkologin aufgesucht, diese wurden von jeder zweiten Frau in Anspruch genommen.

Kindergesundheit

Der Anteil der Kinder unter 18 Jahren, deren allgemeiner Gesundheitszustand von ihren Eltern als „sehr gut“ oder „gut“ beurteilt wurde, ist mit 97 % der Mädchen und 96 % der Buben sehr hoch. Einen speziellen Bedarf an Gesundheitsversorgung hatten laut CSHCN-Screener (Children with Special Health Care Needs) 11 % der Kinder und Jugendlichen. Im Alter von drei bis zehn Jahren war der spezielle Versorgungsbedarf der Buben nahezu doppelt so hoch wie jener der Mädchen.

Über die Studie

Bereits zum zweiten Mal führte Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit sowie der Bundesgesundheitsagentur eine auf der Europäischen Gesundheitsbefragung basierende österreichweite Erhebung zum Thema Gesundheit durch. Von Oktober 2013 bis Juni 2015 nahmen sich 15.771 Personen, davon 6.986 Männer und 8.785 Frauen, im Alter von 15 und mehr Jahren die Zeit, im Rahmen eines telefonischen Interviews und eines schriftlichen Fragebogens detaillierte Angaben zu ihrem Gesundheitszustand zu geben. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die österreichische Bevölkerung in Privathaushalten ab 15 Jahren (hochgerechnet 7,2 Mio. Personen).

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