Vertrauen in Staat und Zukunft in der Coronakrise in Österreich 2020

Die Stimmung in der Pandemie verdüstert sich laufend, verschärfte Maßnahmen und Pressekonferenzen der Regierung häufen sich. Doch allen Entwicklungen zum Trotz bleibt eine kleine, aber lautstarke Minderheit, die sich wenig Sorgen um die Ausbreitung des Virus macht. Ein Fünftel der Bevölkerung fällt in die Gruppe der Corona-Sorglosen. INTEGRAL hat analysiert, was die Gedankenwelt dieser Menschen prägt. Fünf Fakten.

Anbieter: Integral
Veröffentlicht: Okt 2020
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktforschung
Branchen: Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags: Corona Krise

Sorglose sind eher männlich und fast so stark in der Risikogruppe wie der Schnitt

Die Sorglosen nehmen die aktuelle Bedrohung durch das Virus nicht ernst und sehen auch wenig Gefahr einer zukünftig beschleunigten Ausbreitung. Sie machen 22% der Bevölkerung aus, sind in allen Altersgruppen zu finden und tendenziell männlich. Sie sind in den gehobenen gesellschaftlichen Milieus unterrepräsentiert und verfügen im Schnitt über einen geringeren formalen Bildungsgrad.

Auffällig ist, dass sie überdurchschnittlich in den so genannten Zukunftsmilieus auftreten. Das sind jene gesellschaftlichen Gruppen, die künftig an Bedeutung gewinnen werden: Die mobile Lifestyle-Avantgarde der Digitalen Individualisten und die neue Mitte der Adaptiv-Pragmatischen.

Immerhin ein Fünftel der Sorglosen sieht sich selbst als von der Definition „Risikoperson“ erfasst. Im Bevölkerungsschnitt ist dieser Anteil mit 27% kaum höher.

Geringer Zukunftsoptimismus

Dass sich die Sorglosen wenig Sorgen um Corona machen, liegt nicht an deren übertriebenem Grundoptimismus: Während zwei Drittel der Gesamtbevölkerung sehr oder eher optimistisch in die Zukunft schauen, sind dies bei den Unbekümmerten nur etwas mehr als die Hälfte (56%).

Sorge um Demokratie und Freiheit, aber nicht um Angehörige

Bei den Unbekümmerten finden sich auch besonders viele, die sich um Demokratie und Freiheit sorgen (78% vs. 64% in der Gesamtbevölkerung). Um die eigene Gesundheit sowie um die ihrer Angehörigen sorgen sie sich hingegen nur stark unterdurchschnittlich. Entsprechend gering ist die Verzichtsbereitschaft, etwa hinsichtlich privater Feiern: Nur 37% schränken sich aus Rücksicht auf Gefährdete ein, in der Gesamtbevölkerung sind es mit 79% mehr als doppelt so viele.

Geringes Vertrauen in Medien, Regierung und Institutionen

Die Sorglosen sind sehr skeptisch gegenüber den Medien; mit 84% sind sie auffällig oft der Ansicht, man könne nichts mehr glauben, was in den Medien berichtet wird. Zudem meinen sie überdurchschnittlich häufig, dass öffentlich-rechtliche Sender und Tageszeitungen aufgrund der Corona-Krise an Vertrauen verloren haben - im Vergleich zur Gesamtbevölkerung haben sie aber mehr Vertrauen in die Sozialen Medien.

Besonders geringes Vertrauen haben sie auch in die österreichische Bundesregierung sowie die Landesregierung ihres Bundeslandes. Bei der Frage nach der Bewertung der Regierungsarbeit in der Corona-Krise stellen sie ein besonders vernichtendes Urteil aus: Nur 14% bewerten dieses (sehr) gut – während dies 45% der Gesamtbevölkerung tun. Auch die Corona-Ampel sowie den Umfang der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bewerten sie deutlich kritischer als der Schnitt.

Hier überrrascht nicht, dass je 36 % der Sorglosen der FPÖ die höchste Lösungskompetenz zuschreiben (in der Gesamtbevölkerung sind das nur 16 %) bzw. keine einzige Partei für kompetent halten (vs. 26 % in der Gesamtbevölkerung)

Fühlen sich von Staat und Gesellschaft allein gelassen

Auffällig viele (71%) Sorglose sind der Ansicht, sie hätten nichts vom Staat und müssten selbst schauen, wie sie über die Runden kommen, während dies im Bevölkerungsschnitt nur 51% meinen. Weiters haben die Sorglosen viel stärker als die Gesamtbevölkerung den Eindruck, dass die Politiker keine Ahnung von den normalen Menschen haben, kritisieren stärker die EU und fühlen sich aber gleichzeitig auch der österreichischen Nation weniger verbunden. „Viele Corona-Sorglose sind orientierungslos in unserer komplexen Gesellschaft. Sie fühlen sich von Staat und Gesellschaft allein gelassen, was zu einer generellen Skepsis und vor allem einer demonstrativen Gegenposition zum gesellschaftlichen Konsens führt. Damit sind sie auch besonders anfällig für populistische Ideologien.“, so Bertram Barth, Geschäftsführer von INTEGRAL.

Informationen zur Studie und zum Thema Corona:

Gunther Oswalder
+436643314900
gunther.oswalder@marktmeinungmensch.at

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