4 von 10 Österreichern empfinden Zuwanderer als Bereicherung

15. Dez 2017 • News • Integral • Marktforschung • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft • Kultur • Sicherheit

Migration ist so alt wie die Menschheit selbst. Dennoch ist das Thema im Wahljahr 2017 ein Dauerbrenner. Am 18. Dezember ist der Internationale Tag der Migranten. Aus diesem Anlass hat INTEGRAL nachgefragt: Wie aufgeschlossen sind die Österreicher? Wie stehen sie Migranten im Allgemeinen und Flüchtlingen im Speziellen gegenüber? Und wie würde es den Österreichern ergehen, wenn sie selbst flüchten müssten?


Unsere deutschen Nachbarn zeigen etwas mehr Distanz zum Thema Migration und Flucht. Das hat unser Kooperationspartner SINUS gemeinsam mit YouGov herausgefunden: So finden etwas weniger Deutsche als Österreicher, dass man Menschen auf der Flucht helfen muss, und sie sind auch weniger bereit, mit Spenden zu helfen. Auch das stärkere Engagement in den Herkunftsländern fordert man in Deutschland weniger stark als in Österreich. Allerdings ist man dort bei ehrenamtlicher Hilfsbereitschaft ein wenig engagierter.

Migration ist so alt wie die Menschheit selbst. Dennoch ist das Thema im Wahljahr 2017 ein Dauerbrenner. Am 18. Dezember ist der Internationale Tag der Migranten. Aus diesem Anlass hat INTEGRAL nachgefragt: Wie aufgeschlossen sind die Österreicher? Wie stehen sie Migranten im Allgemeinen und Flüchtlingen im Speziellen gegenüber? Und wie würde es den Österreichern ergehen, wenn sie selbst flüchten müssten?

Generelles Interesse an fremden Kulturen

Die Österreicher zeigen sich durchaus offen für andere Kulturen. Acht von zehn Befragten (84%) lernen im Urlaub gerne fremde Länder und Kulturen kennen, fast ebenso viele (80%) essen gerne Speisen aus aller Welt. 40% würden sogar gerne eine Zeit lang im Ausland leben. Am stärksten hegen Befragte mit Migrationshintergrund und Personen bis 29 Jahre diesen Wunsch, während es Bildungsferne weniger stark ins Ausland zieht. Bei der Vorstellung, selbst von Flucht betroffen zu sein, wäre für den Großteil (71%) die Trennung von der Familie am schwersten und für 17% die Trennung von der vertrauten Umgebung. Nur 10% fänden das Erlernen einer neuen Sprache am schwierigsten und 2% das Einfinden in eine neue Kultur. 55% der Befragten haben im Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis bzw. in der Nachbarschaft Personen aus anderen EU-Ländern, 50% aus Nicht-EU-Ländern.

Gespaltene Ansichten hinsichtlich Zuwanderern

Bei der Haltung gegenüber Zuwanderern zeigen sich gespaltene Gefühle: 39% empfinden Zuwanderer als Bereicherung für Österreich. Befragte, die selbst Personen mit Migrationshintergrund im Umfeld haben, stimmen sogar zu knapp 50% dieser Aussage zu. Dagegen stehen jedoch Befürchtungen: 59% äußern Angst vor der großen Zahl fremder Menschen in Österreich. Dabei ist zu beobachten, dass Frauen und Personen ohne Matura ängstlicher sind. Und die Ängste sind deutlich geringer ausgeprägt, wenn man selbst Menschen mit Migrationshintergrund kennt. Hinsichtlich des Integrationsprozesses ist man kritisch: 92% sind der Ansicht, dass sich Zuwanderer besser integrieren sollten. Selbst unter Personen mit Migrationshintergrund denken das immerhin noch 87%.

Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge hoch

Drei Viertel der Befragten (76%) sind der Ansicht, dass Österreich Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, helfen muss. Noch etwas stärker setzt man auf Hilfe vor Ort: 80% sind der Ansicht, dass sich Österreich stärker in Herkunftsländern von Einwanderern engagieren sollte, um den Anreiz zur Migration nach Europa zu reduzieren. Auch das persönliche Engagement ist bemerkenswert: 37% sind bereit, Flüchtlingen mit Spenden zu helfen. 27% geben an, sich ehrenamtlich engagieren zu wollen bzw. haben dies bereits getan – am stärksten Personen bis 29 Jahre (36%). Die Studie zeigt aber auch: Die Hilfsbereitschaft variiert stark zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. So ist das gesellschaftskritische Sinus-Milieu® der Postmateriellen überdurchschnittlich bereit, mit ehrenamtlicher Mitarbeit zu helfen. Knapp dahinter folgt das Milieu der Etablierten – die alte, verantwortungsbasierte Elite. Die geringste Bereitschaft hat die Konsumorientierte Basis, die teils in prekären Verhältnissen lebt und sich stark bemüht, mit den „normalen“ Konsum- und Lebensstandards unserer Gesellschaft mithalten zu können. Mehr Informationen zu diesen Gruppen finden sich auf der INTEGRAL-Website.

„Die österreichische Bevölkerung steht zwischen Hilfsbereitschaft und Interesse auf der einen Seite und Ängsten und Abgrenzung auf der anderen. Ängste finden sich verstärkt in den Gruppen der Bevölkerung, die um Teilhabe an der Gesellschaft kämpfen. Es ist die Aufgabe der Politik, klar zu stellen, dass Hilfe für Geflüchtete nicht zu Lasten dieser Gruppen geht“, so Bertram Barth, Geschäftsführer von INTEGRAL.

Unsere deutschen Nachbarn zeigen etwas mehr Distanz zum Thema Migration und Flucht. Das hat unser Kooperationspartner SINUS gemeinsam mit YouGov herausgefunden: So finden etwas weniger Deutsche als Österreicher, dass man Menschen auf der Flucht helfen muss, und sie sind auch weniger bereit, mit Spenden zu helfen. Auch das stärkere Engagement in den Herkunftsländern fordert man in Deutschland weniger stark als in Österreich. Allerdings ist man dort bei ehrenamtlicher Hilfsbereitschaft ein wenig engagierter. Dies sind Ergebnisse aus der INTEGRAL-Eigenforschung. Im Rahmen einer Online-Befragung wurden im Dezember 2017 485 Personen repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren zu diesem Thema befragt. 

Studiensteckbrief

Die Ergebnisse für Österreich stammen aus der INTEGRAL-Eigenforschung. Im Rahmen einer Online-Befragung wurden im Dezember 2017 485 Personen repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren zu diesem Thema befragt.

Die verwendeten Daten für Deutschland beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.028 Personen zwischen dem 22. und 29. November 2017 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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