Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung in Österreich 2014: 414.000 Personen mehrfach betroffen

22. Jun 2015 • News • Statistik Austria • Sozialwissenschaftliche Studie • Statistik • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft • Arbeitswelt

1.609.000 Menschen oder 19,2% der Bevölkerung galten in Österreich 2014 als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. 414.000 Menschen befanden sich in einer prekären finanziellen Lage, sie waren gleichzeitig von mehr als einer der drei durch die Europa 2020-Strategie definierten Gefährdungslagen betroffen. 1.105.000 Personen (zwei Drittel aller Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten) waren das bereits ein Jahr zuvor oder noch länger. Das geht aus der von Statistik Austria durchgeführten EU-Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) hervor.


Armut und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich 2014

Europa 2020-Strategie 2014: 1.609.000 Menschen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet

Die EU-Staaten haben sich mit der Europa 2020-Strategie aus dem Jahr 2010 zum Ziel gesetzt, Armut und sozialer Ausgrenzung entgegenzutreten. Im Jahr 2014 wurden 1.609.000 Personen bzw. 19,2% der Bevölkerung in Österreich zu dieser Zielgruppe gezählt. Sie waren von mindestens einer der drei folgenden Problemlagen bedroht: Armutsgefährdung (14,1% der Bevölkerung bzw. 1.185.000 Personen), erhebliche materielle Deprivation (4,0% bzw. 336.000 Personen) oder Leben in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität (9,1% bzw. 585.000 Personen unter 60 Jahren).

414.000 Personen waren 2014 mehrfach-ausgrenzungsgefährdet

Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdung bezeichnet eine Lebenssituation, in der ein Mensch gleichzeitig mindestens zwei der drei genannten Kriterien sozialer Ausgrenzung aufweist. Es ist davon auszugehen, dass diese Lebenslage mit einer besonders deutlichen sozialen Benachteiligung verbunden ist. 414.000 Personen – 26% der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten – waren 2014 mehrfach-ausgrenzungsgefährdet, das sind 5% der Gesamtbevölkerung Österreichs.

Finanzielle Lage von Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten angespannt

Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete sind vielfach von Sozialleistungen wie Arbeitslosenleistungen oder Familienbeihilfen abhängig. Sozialtransfers machen insgesamt einen Anteil von 70% des Einkommens in deren Haushalten aus. Über ein Viertel der mehrfach-ausgrenzungsgefährdeten Personen konnte seine Wohnkosten nur mit Hilfe von Wohn- oder Mietzinsbeihilfen bzw. Heizkostenzuschüssen begleichen. Zahlungsrückstände bei laufenden Ausgaben wie Miete und Betriebskosten sowie Krediten betrafen Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete ungleich häufiger als Einfach-Ausgrenzungsgefährdete (31% vs. 17%) oder gar nicht von Ausgrenzungsrisiko betroffene Bevölkerungsgruppen (3%). Auf Grund ihrer angespannten finanziellen Situation ist es der Hälfte der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten nicht möglich, wenigstens 15 Euro pro Monat zur Seite zu legen, bei den Nicht-Ausgrenzungsgefährdeten sind es nur 3%, die das nicht können.

Ausgrenzungsgefährdung ist für 1.105.000 Personen ein dauerhafter Zustand

Der Anteil der insgesamt armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Bevölkerung reduzierte sich von 20,6% (1.699.000 Personen) im Jahr 2008 auf 19,2% (1.609.000 Personen) im Jahr 2014, das entspricht einem Rückgang um 90.000 Personen. Allerdings waren zwei Drittel (1.105.000 Personen) der im Jahr 2014 Betroffenen bereits ein Jahr zuvor oder länger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Einer Abnahme der betroffenen Personengruppe gemäß den Zielformulierungen der Europa 2020-Strategie steht also die Verfestigung schlechter Lebensbedingungen für eine Gruppe dauerhaft Ausgrenzungsgefährdeter gegenüber.

 

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