Arzt per Videochat, Roboter als Chirurgen

15. Sep 2016 • News • bitkom • Marktforschung • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft • Gesundheit • Handel & Dienstleistung • Marketing & Medien

Der Arzt wird per Videochat von zu Hause aus konsultiert. Big-Data-Analysen warnen uns rechtzeitig vor einer drohenden Herzerkrankung. Und Roboter unterstützen Chirurgen bei heiklen Operationen: Digitale Technologien halten Einzug in die Medizin und das Gesundheitswesen – und die Deutschen sehen in Telemedizin große Chancen für die Prävention, Diagnose und Heilung von Krankheiten.

 


Der Arzt wird per Videochat von zu Hause aus konsultiert. Big-Data-Analysen warnen uns rechtzeitig vor einer drohenden Herzerkrankung. Und Roboter unterstützen Chirurgen bei heiklen Operationen: Digitale Technologien halten Einzug in die Medizin und das Gesundheitswesen – und die Deutschen sehen darin große Chancen für die Prävention, Diagnose und Heilung von Krankheiten. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 1009 Verbrauchern ab 14 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Großes Interesse haben die Befragten demnach an telemedizinischen Angeboten: So erklärt jeder Fünfte (20 Prozent), dass er im Krankheitsfall auf jeden Fall seinen eigenen Gesundheitszustand telemedizinisch überwachen lassen würde, weitere 39 Prozent können sich vorstellen, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen

Großes Interesse haben die Befragten demnach an telemedizinischen Angeboten: So erklärt jeder Fünfte (20 Prozent), dass er im Krankheitsfall auf jeden Fall seinen eigenen Gesundheitszustand telemedizinisch überwachen lassen würde, weitere 39 Prozent können sich vorstellen, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen. Insgesamt 6 von 10 Deutschen (59 Prozent) sind damit offen gegenüber dem sogenannten Tele-Monitoring. Dabei werden beispielsweise die Vitalwerte wie Blutdruck oder Blutzucker von Patienten mit Herzerkrankungen oder Diabetes digital an ein Krankenhaus übermittelt, wo medizinisches Fachpersonal diese prüft und den Patienten bei Unregelmäßigkeiten benachrichtigt. Die Online-Sprechstunde mit dem Arzt würden 17 Prozent der Befragten auf jeden Fall nutzen, 16 Prozent können sich dies vorstellen (Gesamtinteresse: 33 Prozent). Um Ärzte im Ausland zu konsultieren, würden 8 Prozent auf jeden Fall Telemedizin in Anspruch nehmen, 42 Prozent sind daran zumindest interessiert (Gesamtinteresse: 50 Prozent). Und 14 Prozent würden sich einer Operation unterziehen, bei der ein Spezialist aus der Ferne per Video zugeschaltet ist und dem behandelnden Arzt Hinweise gibt, 45 Prozent können sich dies vorstellen (Gesamtinteresse: 59 Prozent). „Telemedizin ist ein hervorragendes Beispiel für das beeindruckende Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Online-Sprechstunden oder Tele-Monitoring können die Versorgung kranker Menschen deutlich verbessern, Arzt und Patient entlasten und dabei auch noch die Kosten im Gesundheitswesen senken“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Die Beziehung zwischen Arzt und Patienten

In der Bitkom-Studie wurde unter anderem untersucht, worin die Patienten Vor- und Nachteile der Online-Sprechstunde sehen. Die drei wichtigsten Vorteile: Der Zugang zu räumlich weit entfernten Ärzten wird erleichtert – 57 Prozent nennen diesen Punkt. Außerdem spricht für die Online-Sprechstunde aus Sicht der Befragten, dass die Wartezeit in der Praxis (43 Prozent) sowie die Zeit für die Anfahrt (29 Prozent) entfallen. Zugleich haben die Befragten die Sorge, dass das Risiko einer Fehlbehandlung steigt, wenn sie eine Online-Sprechstunde in Anspruch nehmen – 67 Prozent nennen dies als einen der drei wichtigsten Nachteile. Gut die Hälfte (52 Prozent) ist zudem der Meinung, dass das Verhältnis zwischen Arzt und Patient leidet. Ein weiterer Nachteil der Online-Sprechstunde ist aus Sicht der Befragten, dass Arzt und Patient dafür über technisches Know-how und technische Ausstattung verfügen müssen (43 Prozent). Rohleder: „Die Online-Sprechstunde wird die PräsenzSprechstunde nicht ersetzen, sondern ergänzen. Davon profitieren Arzt und Patient gleichermaßen.“ Das E-Health-Gesetz, das Ende 2015 verabschiedet wurde, sieht vor, dass die telemedizinische Befundung von Röntgenbildern sowie die OnlineSprechstunde mit Patienten, die dem Arzt bereits bekannt sind, starten können. „Die Einführung erster Telemedizin-Anwendungen ist ein großer Fortschritt. Weitere Anwendungen müssen schnell folgen“, so Rohleder.

Moderne Methoden der Datenanalyse - BIG-Data in der Medizin

Über telemedizinische Szenarien hinaus bietet die Digitalisierung zahlreiche Chancen für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Moderne Methoden der Datenanalyse mittels Big-Data-Technologien ermöglichen es beispielsweise, Erbgut auf Gesundheitsrisiken zu untersuchen. Drei Viertel der Befragten (72 Prozent) sind für diese Möglichkeit offen. Dabei sagen 38 Prozent, dass sie diese Option auf jeden Fall in Anspruch nehmen würden. 34 Prozent würden sie nur für solche Krankheiten in Anspruch nehmen, die auch therapiert werden können. „Wer über seine individuellen Krankheitsrisiken Bescheid weiß, kann sich entsprechend gesundheitsbewusst verhalten“, so Rohleder. „Deshalb sollte jeder, der diese Informationen haben möchte, die Möglichkeit bekommen, ohne dass daraus eine allgemeine Pflicht erwachsen darf.“

Gesundheitsdaten und Dantenmissbrauch

Gesundheitsdaten sind in der Medizin und im Gesundheitswesen auch für zahlreiche weitere Zwecke wertvoll. Zwar haben viele Befragte (82 Prozent) die Sorge, dass durch die Digitalisierung der Medizin die Gefahr des Missbrauchs von Gesundheitsdaten steigt. Vorausgesetzt, dass die Daten optimal geschützt sind, sind sie aber durchaus offen dafür, beispielsweise Informationen zu Symptomen und Krankheitsverlauf zur Verfügung zu stellen: 75 Prozent würden das tun, wenn sie dadurch zur langfristigen Erforschung einer Krankheit beitragen können. 67 Prozent würden ihre Daten herausgeben, wenn sie damit kurzfristig anderen Patienten helfen könnten. Ferner würden 61 Prozent ihre Daten zur Verfügung stellen, wenn damit Medikamente oder Therapien entwickelt werden, die auf sie persönlich zugeschnitten sind. Und 44 Prozent würden ihre Daten gegen eine finanzielle Entschädigung bereitstellen. „Medizinische Daten können im Gesundheitssektor Leben retten. Deshalb müssen wir sie konsequent und klug nutzen. Ein Höchstmaß an Datenschutz ist dabei Voraussetzung“, so Rohleder.

 

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