E-Commerce ist in Österreich auf der Straße angekommen

22. Okt 2018 • News • Handelsverband • Marktdaten • Regionalanalyse & Geodaten • Wirtschaftsstatistik • Branchenstudien • Handel & Dienstleistung

Eine Studie von Standort + Markt gibt Einblicke in die strukturellen Auswirkungen des E-Commerce auf den stationären Handel. Mode verliert an Bedeutung. Gastronomie boomt.


Der digitale Wandel hat Online-Händler wie Amazon oder Alibaba unter die erfolgreichsten Unternehmen der Welt katapultiert. In Österreich dominiert jedoch (noch) der stationäre Handel. Eine brandneue Studie von Standort + Markt liefert nun erstmals detaillierte Einblicke in die strukturellen Auswirkungen des E-Commerce auf den stationären Handel. Dafür wurden die Geschäftsflächen in den 15 bedeutendsten österreichischen Städten unter die Lupe genommen. Der Blick in die Bundesländer umfasst die 9 Landeshauptstädte und 6 weitere einwohnerstarke Städte.

Shopflächen legten erneut zu, Dynamik verlangsamt sich

Im Sample der 15 bedeutendsten österreichischen Städte, darunter die 9 Landeshauptstädte und 6 weitere einwohnerstarke Städte , konnten die Shopflächen in den Innenstädten wie auch am Stadtrand in den letzten 4 Jahren erneut zulegen.

"Der Hochkonjunktur sei Dank. Das Shopflächen-Wachstum reduziert sich zwar von Jahr zu Jahr und lag zuletzt nur mehr bei 1,0 %, aber immerhin: es liegt nach wie vor ein Shopflächen-Wachstum vor", sagt Hannes Lindner, Geschäftsführer von Standort + Markt. Ein Zeichen dafür, dass E-Commerce dem stationären Handel in Österreich doch nicht so stark zusetzt, die stationäre Fläche damit nach wie vor auf eine rege Nachfrage stößt?

Schleichender Kahlschlag im stationären Handel zeichnet sich erstmals ab

Leider nein. Die Wahrheit offenbart sich erst, wenn man die Veränderung der Branchen­struktur, hier insbesondere in den Cities des 15-Städte-Samples, im Detail analysiert: Ein wesentlicher Besuchsgrund, nämlich die Mode in den Innenstädten, verliert laufend an Bedeutung. "Wie hoch das Umsatzminus im Zuge des Feldzuges von E-Commerce nun tatsächlich ist, wird in der Branche nicht kommuniziert. Was aber sehr wohl zu Tage tritt, ist, dass der Modehandel ganz offenkundig die stationäre Fläche neu bewertet und sich sukzessive von dieser trennt", ist Lindner überzeugt.

Lag der Flächenanteil der 15 wichtigsten Innenstadtbereiche Österreichs 2013 noch bei 35,5%, ist er zwischenzeitlich auf 33,2% gesunken. Die einstige Bastion der österreichischen Cities, der Modehandel, wird durch E-Commerce scheibchenweise demontiert, was nun erstmals in Form einer umfassenden, langjährigen Flächen-Studie von Standort + Markt nachgewiesen wird. Dies hat massive Auswirkungen auf den generellen Flächennutzungsmix der österreichischen Cities. "Mode zählt mit einem E-Commerce-Anteil von knapp 20 % zu den drei wichtigsten Ausgabengruppen im Online-Shopping und verzeichnet dort nach wie vor Wachstumsraten von knapp 10%. Natürlich spüren wir das auch auf der Fläche", bestätigt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Neben Bekleidung zählen insb. Bücher und Elektrogeräte zu den größten Segmenten im Distanzhandel.

Lag der Flächenanteil der 15 wichtigsten Innenstadtbereiche Österreichs 2013 noch bei 35,5%, ist er zwischenzeitlich auf 33,2% gesunken. Die einstige Bastion der österreichischen Cities, der Modehandel, wird durch E-Commerce scheibchenweise demontiert, was nun erstmals in Form einer umfassenden, langjährigen Flächen-Studie von Standort + Markt nachgewiesen wird. Dies hat massive Auswirkungen auf den generellen Flächennutzungsmix der österreichischen Cities. "Mode zählt mit einem E-Commerce-Anteil von knapp 20 % zu den drei wichtigsten Ausgabengruppen im Online-Shopping und verzeichnet dort nach wie vor Wachstumsraten von knapp 10%. Natürlich spüren wir das auch auf der Fläche", bestätigt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Neben Bekleidung zählen insb. Bücher und Elektrogeräte zu den größten Segmenten im Distanzhandel.

E-Commerce bewirkt Veränderung des Flächennutzungs-Mix

Die Verschiebung von Handelsumsätzen ins Web wird zumindest mittelfristig weiter zunehmen. "E-Commerce ist die treibende Kraft hinter dem aktuellen Umsatzwachstum im Handel. Online wächst zurzeit 10-mal schneller als der stationäre Handel. Eine Stagnation ist nicht absehbar, im Gegenteil: Künftig wird zumindest im non-food-Handel jeder dritte Euro Online erwirtschaftet werden", so Will. Aktuell liegt der Online-Anteil an den gesamten einzelhandelsrelevanten Ausgaben bei rund 8 bis 10 Prozent, wobei Online-Shopping eine Altersfrage ist. Je jünger die KonsumentInnen, desto häufiger shoppen sie im Netz – und zwar bevorzugt am Smartphone.

Welche Nutzungen haben sich - anstelle der Mode - im Zuge des E-Commerce-Wachstums nun stärker im Flächengerüst der Cities verankert? Zum einen sind es freizeitorientierte Dienstleistungsbetriebe wie Fitnesscenter und Spielcasinos, deren Flächenanteil (2,5%) in den Cities trotz beträchtlicher Steigerungen in den vergangenen 4 Jahren (+25%) aber nach wie vor eher gering ist.

Flächenmäßig wesentlich stärker ins Gewicht fallen hingegen Gastronomiebetriebe, die zwischenzeitlich 13,1 % der City-Shopflächen ausmachen und innerhalb von 4 Jahren um 7 % bei den Flächen zugelegt haben. In diesen beiden Sektoren ist zumindest ein Teil der ehemaligen Modeflächen aufgegangen.

E-Commerce treibt Leerstandsdynamik voran

Besonders stark ist im Zahlengerüst des 15-Städte Samples aber der Leerflächenanteil gestiegen: Lag die Leerstandsquote 2013 noch bei 4,0%, kletterte sie zwischenzeitlich kontinuierlich hoch auf nun 5,9%. Verwunderlich dabei ist, dass die gesamten Shopflächen der 15 Samplestädte-Cities im selben Zeitraum um 2,5% gestiegen sind. Aber: "In den kleineren Bezirkshauptstädten liegt die Leerstandsquote bereits bei 13,5%. Der Konsument wird hier regelregt in den Online-Handel getrieben. Das liegt an vielen Faktoren, u.a. dem geänderten Konsumentenverhalten, aber auch an der vielerorts fehlenden digitalen Infrastruktur – Stichwort 5G", erklärt Rainer Will.

Trotz E-Commerce bleibt City-A-Lage gefragt 

Wie lässt sich ein generelles Shopflächenwachstum mit einer gleichzeitigen Erhöhung der Leerstandsquote interpretieren? Insbesondere für A-Lagen gibt es nach wie vor eine mehr oder weniger rege Flächennachfrage, wobei zu beobachten ist, dass im Zuge von Opti­mierungsmaßnahmen bei Filialnetzen die B- und C-Lagen durch A-Lagen substituiert werden. Für die dann leerstehenden B- und C-Lagen gibt es zwischenzeitlich kaum mehr Abnehmer. Selbst der viel zitierte Hype in der Gastronomie kann offenkundig die zur Verfügung stehende Flächen nicht gebrauchen, Systemgastronomie schielt ebenso verstärkt auf A-Lagen. Dies kann in letzter Konsequenz dazu führen, dass eine Shopnutzung für manche Standorte nicht mehr realisierbar ist.

Dieses Szenario bedeutet: entweder eine Nachnutzung der Shopflächen außerhalb des „konsumigen“ Bereiches (z.B. als Büros oder Arztpraxen), oder die Flächen verwaisen. Ehemalige Shopflächen, die nicht mehr als solche genutzt werden oder potenziell als solche genutzt werden können, führen in der Systematik der Autoren zu einem Shopflächenrückgang. Eine Entwicklung, die man wohl in näherer Zukunft öfters im Straßenbild beobachten können wird.

Ist Handelsflächenproduktion heute noch sinnvoll?

Hier ist mit einem klaren „ja“ zu antworten. "Die Nachfrage nach qualitativen Shopflächen in Primalage ist nach wie vor hoch, darüber hinaus gibt es aufgrund der konjunkturellen Situation nach wie vor genügend Liquidität, die in moderne, qualitativ hochwertige Shopflächen investiert werden will", so Lindner. Von manchen Lagen, dazu zählen schwache B-Lagen und C-Lagen, muss man sich wohl im Zuge der Professionalisierung der Handelslandschaft verabschieden, was nennenswerte Auswirkungen auf den Wert von Immobilien haben wird.

Viele mittelständische Einzelhändler stellen sich zurzeit berechtigterweise die Frage, ob ihr Geschäftsmodell für die Zielgruppe der onlineaffinen unter-30-Jährigen überhaupt noch attraktiv ist. "Die Antwort liegt in der Digitalisierung der Fläche und in der strategischen Verknüpfung von Online-Shopping und Filiale. Klar werden Shops in wenig frequentierten B- und C-Lagen zunehmend durch Webshops ersetzt. Aber Handel findet immer dort statt, wo die Menschen sind. Nur muss die Politik auch dafür sorgen, dass die Steuern dort eingehoben werden, wo auch die Konsumenten sitzen. Das verstehen wir unter FairCommerce", so das optimistische Fazit von Rainer Will.

Informationen zur Studie und zum Thema stationärer Handel und E-Commerce:

office@marktmeinungmensch.at

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