Europas Dämmstoffmarkt verharrt im Winterschlaf

18. Mär 2016 • News • Interconnection Consulting • Branchenstudien • Marktdaten • Marktanalyse • Bau & Wohnen • Handel & Dienstleistung • Produktion

Die bereits lange Jahre andauernde Flaute auf Europas Dämmstoffmarkt geht weiter. 2015 musste die Branche für Dämmstoffe in Europa einen Rückgang von 2,2% in Menge und 0,2% in Wert hinnehmen. Erst mit 2017 ist mit einer stärkeren Erholung für die Branche zu rechnen. Die derzeit schwache Nachfrage ist vor allem durch die schleppende Baukonjunktur bedingt, zeigt eine Studie von Interconnection Consulting.

Der Westen leidet unter Baukrise

In Westeuropa sank die Anzahl der fertiggestellten Wohnhäuser seit 2010 um rund 470.000 auf nunmehr 947.646. Auch im Renovierungssegment fielen die Umsätze seit 2010 kontinuierlich (2015: -0,8%). Einzig der Nicht-Wohnbau-Sektor konnte sein Absatzvolumen im vergangenen Jahr um 3,1% im Wert erhöhen. Die Konsequenz: In Westeuropa sank der Absatz für Dämmstoffe im vergangenen Jahr um 0,3%. Dass das Minus nicht stärker ausgefallen war, ist vor allem Großbritannien zu verdanken. Dort sorgte 2015 ein Bauboom für Absatzsteigerungen bei Dämmstoffen von 4,5%, während durch den starken Pfund, die Umsätze gerechnet in Euro sogar um 16,5% anstiegen und damit auch Westeuropa insgesamt zu einem dicken Plus von 4,6% in Wert verhalf. Der DACH-Raum musste 2015 bei stagnierendem Absatz, Umsatzeinbußen (-1,7%) am Dämmstoffmarkt hinnehmen. Dabei setzt vor allem der Rückgang bei Renovierungsarbeiten (-5,2%) der Branche heftig zu. Die „Sanierungsmüdigkeit“ der privaten Haushalte begründet Interconnection mit dem pessimistischen Wirtschaftssentiment und der damit steigenden Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes bei vielen Familien. In Skandinavien führte das Sinken der Baufertigstellungen im Wohnbau in den Ländern Dänemark, Norwegen und Finnland zu einem Absatzminus von 2%.

Die bereits lange Jahre andauernde Flaute auf Europas Dämmstoffmarkt geht weiter. 2015 musste die Branche für Dämmstoffe in Europa einen Rückgang von 2,2% in Menge und 0,2% in Wert hinnehmen. Erst mit 2017 ist mit einer stärkeren Erholung für die Branche zu rechnen. Die derzeit schwache Nachfrage ist vor allem durch die schleppende Baukonjunktur bedingt, zeigt eine Studie von Interconnection Consulting.

Markteinbruch in Russland – Osteuropa leichtes Plus

Der Dämmstoffmarkt in Russland musste im letzten Jahr einen Absatzrückgang von 13,2% hinnehmen. Die immer schlechter werdende wirtschaftliche Situation des Landes führt dort zu immer geringeren Investitionen und damit zu weniger Neubauten. Insgesamt büßte der Dämmstoffmarkt im Wirtschaftsraum Russland-Türkei im vergangenen Jahr 7,7% in Menge und 5,7% im Wert ein. Osteuropa verzeichnete als einzige Region ein Plus in Absatz (1,2%) und Umsatz (0,8%). Grund dafür war ein leichter Anstieg bei den Baufertigstellungen. Europaweit wird die größte Nachfrage nach Dämmstoffen hauptsächlich aus dem Wohnbereich lukriert. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil des Wohnbaus am Dämmstoffmarkt 61,4%. Der Nicht-Wohnungsbau verliert demgegenüber stetig an Boden. Seit 2012 hat sich der Umsatzanteil in diesem Bereich um fast zwei Prozent verringert.

Umschichtung bei Dämmmaterialien im Gange

Bei der Gebäudeisolierung sinkt allmählich die Nachfrage nach expandiertem Polystyrolpartikelschaum (EPS), landläufig bekannter unter der Bezeichnung Styropor, und XPS (extrudierten Polystyrol). 2015 betrug der Anteil von EPS und XPS am Gesamtmarkt 38,7% in Menge. Stattdessen kommen Mineralwollarten, wie z.B. Steinwolle oder Glaswolle immer stärker zum Einsatz. So erhöhte sich der Marktanteil von Steinwolle bis 2015 auf 25,5% und lag damit 0,4% höher als 2012. Dass die Steigerung nicht noch höher ausfiel, ist einem Rückgang im vergangenen Jahr geschuldet. Bis 2018 werden bei der Steinwolle jedoch wieder jährliche Wachstumsraten von 1,5% erwartet. Der wohl wichtigste Grund Mineralwolle anstelle von EPS einzusetzen, ist dabei die Brandsicherheit, denn Mineralwolle ist nicht brennbar. „Auch alternative Materialen zur herkömmlichen Wärmedämmung werden in den nächsten Jahren eine immer stärkere Rolle spielen“, meint Laszlo Barla. So wird Holz bereits verstärkt als Dämmmaterial eingesetzt (Marktanteil: 5,1%). Andere Produkte (z.B: Stroh, Schafwolle) sind zwar hochpreisiger und benötigen beim Einbau das nötige Know-How, haben aber trotz Stagnation im letzten Jahr, laut Prognose von Interconnection, Wachstumspotential.

Die Interconnection Studie unterteilte die 24 untersuchten Länder in fünf Regionen: DACH-Raum (Deutschland, Schweiz, Österreich), Westeuropa (Italien, Frankreich, Spanien, UK, Niederlande, Belgien), Skandinavien (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland) Osteuropa (Polen, Tschechien, Bosnien Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Serbien, Slowakei, Ungarn) und Russland-Türkei.

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