Fokusgruppen mit Arbeitsuchenden „Offen gesagt 2013 – Dialogforum für Wiener Arbeitsuchende“

07. Jun 2014 • News • Arbeiterkammer • Marktforschung • Sozialwissenschaftliche Studie • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft • Arbeitswelt

Im vorliegenden Bericht werden die Ergebnisse des qualitativen Monitorings „offen gesagt – Dialogforum für Arbeitsuchende 2013“ dargestellt. Ausgewählte AMS-KundInnengruppen haben in moderierten Fokusgruppen die Möglichkeit bekommen, selbst zu formulieren, womit sie im Vermittlungsprozess zufrieden oder unzufrieden sind, und welche Unterstützung sie zur Bewältigung ihrer Probleme auf dem Arbeitsmarkt benötigen.

Executive Summary

Die Fokusgruppen des „Dialogforums Offen gesagt 2013“ fanden von 15. bis 24. Oktober 2013 statt. In 6 Gruppen nahmen insgesamt 58 KundInnen des AMS Wien und 3 VertreterInnen von Wiener Arbeitsloseninitiativen daran teil. Die Gruppen wurden nach folgenden Kriterien zusammengesetzt:
• VertreterInnen von Arbeitsloseninitiativen
• Arbeitsuchende mit maximal Pflichtschulabschluss
• Arbeitsuchende 45 plus
• Arbeitsuchende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen
• Arbeitsuchende 6 Monate plus
• Wiedereinsteigerinnen
Ziel des Projekts war es, von den Arbeitsuchenden Rückmeldungen zum AMS-Betreuungsprozess und zur Wiener Arbeitsmarktpolitik zu erhalten. Es folgt ein komprimierter Überblick über die Hauptergebnisse.

Prozess der Arbeitsuche

Die wichtigsten Suchstrategien von Arbeitslosen sind Internetportale – auch der Jobroboter des AMS –, der eJobroom des AMS sowie Netzwerke und persönliche Kontakte.
Damit sich Arbeitsuchende aktiv um einen Job bemühen, muss es passende Jobangebote geben und sie müssen in einem körperlichen und seelischen Zustand sein, der es ihnen tatsächlich möglich macht, der Arbeitsuche und einer Beschäftigung nachzugehen. Diese Voraussetzungen sind nicht immer der Fall, was zu Scheinaktivitäten führen kann, um den Bezug des Arbeitslosengeldes nicht zu verlieren. Länger dauernde oder immer wiederkehrende Arbeitslosigkeit führt nach Angaben der Betroffenen auch zu einer zunehmenden psychischen Belastung, die sich wiederum negativ auf den Prozess der Arbeitsuche auswirkt.
Es herrscht große Angst vor Sperren, da diese oft existenzbedrohend sind. Sperren werden immer wieder als Druckmittel eingesetzt, nicht nur beim AMS, sondern auch von TrainerInnen in Kursen.
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Erschwernisse bei der Arbeitsuche

Die Haupterschwernisse bei der Arbeitsuche sind zu niedrige Löhne, fortgeschrittenes Alter, fehlende oder nicht passende Qualifikation, zu viele MitbewerberInnen für zu wenige Stellen sowie mangelhafte Deutschkenntnisse. Daneben werden auch noch Erschwernisse durch zu wenige passende Teilzeitjobs, fehlende Berufserfahrung, Behinderung, Leihfirmen oder Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse genannt.
Als Hauptgründe für Unternehmen, BewerberInnen nicht zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen oder einzustellen wurden in den Fokusgruppen genannt: Alter, Migrationshintergrund und mangelnde Deutschkenntnisse, Geschlecht (insbesondere Frauen im „gebärfähigen Alter“), fehlende oder nicht passende Qualifikation.

Spezifische Zielgruppenprobleme

Von den Zielgruppen her kämpfen Wiedereinsteigerinnen besonders mit der Problematik der Vereinbarkeit von Beruf und Kindern und dem Dilemma, keine kinderbetreuungsadäquaten Teilzeitjobs zu bekommen oder davon nicht leben zu können.
Das eigentliche Problem der älteren Arbeitsuchenden sei, so ein häufiges Argument in den Fokusgruppen, dass sie zu teuer seien. Jüngere ArbeitnehmerInnen sind billiger und bekommen u.a. auch deshalb eher die Jobs. Der häufig gehörte Absagegrund „überqualifiziert“ hieße dementsprechend auch nichts anderes als „zu teuer“.
Die Situation der Arbeitsuchenden, die länger als 6 Monate arbeitslos gemeldet sind, ist geprägt von Ratlosigkeit, zunehmender psychischer Belastung und nachlassender Motivation.
Bei den gesundheitlich beeinträchtigten Arbeitsuchenden steht stark das Thema der grundsätzlichen Beschäftigungsfähigkeit im Vordergrund.
Die Arbeitsuchenden mit Pflichtschulabschluss schließlich leiden sehr stark unter dem Lohnniveau und Konkurrenzdruck im Niedriglohnbereich. Durch die niedrigen Löhne kann der Lebensstandard nicht gehalten werden, Jobs, bei denen man weniger als das Arbeitslosenentgelt bekommt oder Förderungen verliert, lohnen sich nicht.

Betreuung und Beratung durch das AMS Wien

Die direkte Stellenvermittlung des AMS wird nicht als funktional erlebt, weder für die Arbeitsuchenden noch - nach deren Meinung - für die Unternehmen. AMS-eJobroom, Jobroboter und Computerzugang in den Servicecentern werden jedoch positiv wahrgenommen und als hilfreich beschrieben.

Hauptprobleme bei der Beratung am AMS Wien sind Zeitmangel, häufiger Wechsel von BeraterInnen und damit mangelnde Kontinuität in der Beratung sowie mangelnde Perspektivenentwicklung.
Die Qualität der Beratung hängt sehr stark von der Beraterin/dem Berater ab. Diese werden sehr unterschiedlich erlebt, sowohl positiv – hilfsbereit, bemüht, freundlich – als auch negativ.
Kurse sind zentrales Thema von Seiten der TeilnehmerInnen, insbesondere die als intransparent empfundene Bewilligung und Zuteilung von Kursen. Diese würden eher der Statistik und der Bedienung vorgekaufter Kontingente dienen und weniger auf die Notwendigkeiten und Bedürfnisse der Arbeitsuchenden eingehen. Kurse selbst aussuchen zu können und diese bezahlt zu bekommen ist eines der Hauptanliegen der Arbeitsuchenden.
Weiterbildungen, die der beruflichen Praxis dienen, werden dabei positiver angenommen als Aktivierungsmaßnahmen und Bewerbungstrainings.
Die Arbeitsuchenden wissen kaum, wohin sie sich mit Beschwerden im Zusammenhang mit ihrer Arbeitslosigkeit wenden könnten. AMS Help kennen nur wenige. Die Arbeiterkammer ist bekannt und wird äußerst positiv beurteilt, aber nicht für Arbeitslosigkeit, sondern für allgemeine arbeitsrechtliche Fragen.

Wahrnehmung weiterer arbeitsmarktrelevanter Institutionen

Der WAFF ist vor allem den Wiedereinsteigerinnen bekannt, in zwei weiteren Gruppen vom Hörensagen. Auch die Gemeinde Wien wird in erster Linie von den Wiedereinsteigerinnen als wichtige Anlaufstelle im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme der Berufstätigkeit genannt – hier vor allem die für Kinderbetreuungsplätze zuständige MA 10.

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