Gebäudesanierungen in Österreich stark rückläufig

11. Apr 2016 • News • Branchenradar • Branchenstudien • Marktdaten • Wirtschaftsstatistik • Branchenstudien • Umwelt & Ökologie • Bau & Wohnen • Handel & Dienstleistung • Produktion

Der Markt für Wärmedämm-Verbundsysteme sank in Österreich im Jahr 2015 um rund zehn Prozent geg. VJ. Die Schwäche des österreichischen Sanierungsmarktes erreicht zunehmend existenzielle Dimensionen, wie aktuelle Daten im BRANCHENRADAR „Wärmedämm-Verbundsysteme in Österreich 2016“ zeigen.


Einschlägigen Förderungen zur energetischen Gebäudesanierung zum Trotz nimmt die Talfahrt am Markt für Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) kein Ende. Im Jahr 2015 schrumpfte die Nachfrage nach Vollwärmeschutz um 6,6% geg. VJ. Befeuert von einem zunehmend preisaggressiven Wettbewerb schrumpften die Herstellererlöse sogar um nahezu zehn Prozent geg. VJ auf nunmehr 153,6 Millionen Euro. Seit 2012 hat der Markt rund zwanzig Prozent seines seinerzeitigen Volumens verloren.

Ursache für die substanzielle Kontraktion des Marktes ist die anhaltend sinkende Sanierungsbereitschaft. Im letzten Jahr brachen die Erlöse im Sanierungsgeschäft um mehr als vierzehn Prozent ein. Zwischen 2012 und 2015 liegt das Minus bei fast dreißig Prozent. Die Schwäche des österreichischen Sanierungsmarkts erreicht damit zunehmend existenzielle Dimensionen. Nicht nur in der gegenständlichen Warengruppe, sondern in praktisch allen renovierungsgetriebenen Märkten zieht die anhaltende „Sanierungsverweigerung“ insbesondere der privaten Haushalte die Märkte tief nach unten. Würde nicht der Neubau von Mehrfamilienhäusern boomen und damit den Baustoffabsatz stützen, wäre nicht nur „Feuer am Dach“. So schrumpfte im letzten Jahr die Nachfrage aus dem Gebäudebestand etwa auch bei Fassadenputzen um elf Prozent geg. VJ, bei Dämmstoffen um acht Prozent geg. VJ oder bei Vorgehängten hinterlüfteten Fassaden um fünf Prozent geg. VJ. Und die Liste ließe sich lange fortsetzen…

Durch die derzeit niedrigen Energiekosten sind die Rahmenbedingungen für WDVS zudem besonders ungünstig. Allerdings, die Hersteller unternehmen auch von sich aus wenig, um das Interesse an einer neuen Fassade zu erhöhen. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Bauwirtschaft – neben der Landwirtschaft – der einzige Wirtschaftssektor ist, der Nachfragemängel reflexartig mit dem Ruf nach (mehr) staatlichen Förderungen begegnet; selbst wenn mittlerweile den Allermeisten klar ist, dass „Sanierungschecks“ und „Handerwerkerboni“ zwar eine ganz passable Mittelstandsförderung sind, aber keineswegs ein Nachfragehebel. Denn wie der BRANCHENRADAR Jahr für Jahr nachweist, gehen mehr als 90% der einschlägigen Subventionen in Mitnahmeeffekten verloren. Bislang operieren nur wenige Hersteller wie richtige Markenartikler und bewerben den Nutzen ihrer Produkte regelmäßig und über der Wahrnehmungsschwelle in Publikumsmedien. Von Herstellerseite wird gegen breit gestreute, klassische Werbung gerne das Argument in Stellung gebracht, dass ihr Produkt nicht darstellbar ist, für den Konsumenten keine besondere Relevanz hat oder die Produktdifferenzierung einfach zu gering ist. Abgesehen davon, dass eine solche Argumentation tiefe Einblicke in das Commitment zum eigenen Produkt zulässt, ist aber alles, was noch keine starke Marke ist, noch lange kein Commodity. Andere wiederum erachten ihr Produkt als zu „erklärungsbedürftig“, als dass man es profan bewerben könnte. Doch Hand aufs Herz, leben wir nicht in einer Zeit, in der nur noch verkauft werden kann, was in irgendeiner Art „sexy“ ist, und sei es auch noch so komplex oder kompliziert. Hinter einem BMW steht auch eine Menge Technik, und trotzdem fährt er regelmäßig im Fernsehen vor. Und welcher PC-Nutzer schraubt schon an seinem Gerät, und trotzdem ist „Intel Inside“. Denn selbst wenn das Produkt für den Verwender selbst nicht „sichtbar“ ist, so ist es doch das Ergebnis seiner Verwendung. So ist beispielsweise Fliesenkleber als Komplimentärprodukt zur Fliese, wie es Werbefachleute sagen würden, „wenig herzeigbar“. Allerdings können neue Fliesen viel Freude bereiten. Was liegt also näher, mittels Werbung einfach den Wunsch nach neuen Fliesen zu befördern? Auch Wärmedämm-Verbundsysteme müssen nicht zwingend mit dem Argument „niedriger Energiekosten“ verkauft werden, zumal ein solches aktuell wenig Druck erzeugt. Warum appelliert man nicht an den Sinn nach schönerem, behaglicherem Wohnen, zu dem heute eben auch die entsprechende Wärmedämmung gehört.

Tabelle: Marktentwicklung Wärmedämm-Verbundsysteme in Österreich | Herstellerumsatz in Mio. Euro

Umsatz in Mio. Euro

2012

2013

2014

2015

Wärmedämm-Verbundsysteme

191,5

186,8

170,1

153,6

Quelle: BRANCHENRADAR Wärmedämm-Verbundsysteme in Österreich 2016

Die Berechnung wurde mit aller gebotenen Sorgfalt - aber ohne Gewähr - erstellt.

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