Gen Z - Wenn das Leben eine Betreffzeile bekommt

23. Okt 2019 • News • rheingold institut • Marktsegmentierung • Blog & Paper • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft

Stärker als das Thema Generationenkonflikt bewegt die Gen Z das eigene Erwachsenwerden, das heute schwerer zu bewerkstelligen ist als früher. Nicole Hanisch vom rheingold-institut im Horizont über das Erwachsenwerden der Generation Z.


Die Gen Z lebt heutzutage oft bis Mitte 20 in einem behüteten Spieleparadies: Stärker als frühere Generationen erleben sie eine Vollversorgung und Überbehütung. Die Eltern sind meist tolerant und fürsorglich. Nicht nur bei der Freizeitgestaltung oder Urlaubsplanung räumen sie ihren Kindern ein Mitspracherecht ein. Mangelerfahrungen und autoritäre Einschränkungen kennen die meisten Jugendlichen daher aus der analogen Welt nicht. Und in der digitalen Welt mit ihren Games und sozialen Netzwerken können sie spielerisch 24/7 ihre Kreativität austoben.

Zu den Eltern besteht häufig eine enge Verbundenheit. Die Jugendlichen stellen die elterlichen Werte meist nicht in Frage. Sie pflegen vielmehr das Ideal einer heilen Familie, die sich versteht und beständig zusammenhält, gerade weil sie stets die Gefahr sehen, dass in einer brüchigen Welt auch die eigene Familie auseinanderbrechen kann.

„Familie ist das Wichtigste.“

Die Jugendlichen mögen ihre Eltern zwar, sie erleben sie aber auch als freudlos und tendenziell zwanghaft. Sie sehen sie als eine „graue Anzug-Instanz“, die alles regelt, erfüllt, beschafft, aber dabei ohne Spaß vor sich hinlebt und arbeitet. Das Leben der Eltern ist sozusagen von einer Betreffzeile bestimmt, von einer steten Zweckgebundenheit: immer muss es um etwas Bestimmtes gehen, was vorher festgelegt, dann lange vorbereitet wird und somit konsequent verfolgt werden muss. Sie konzentrieren sich stets auf ein bestimmtes Ziel, wertschätzen, was sie haben und wollen unbedingt daran festhalten. Selbst die Mails der Eltern haben immer einen Betreff und damit einen definierten Anlass und ein Thema. Einfach mal ein unbestimmtes Hallo in den Freundeskreis zu posten und abzuwarten, was sich daraus entwickelt, scheint den Eltern fremd oder suspekt zu sein.

„Die müssen auch immer ein Thema haben, um zu schreiben. Wir sagen oft einfach nur Hallo.“

Erwachsenwerden bedeutet daher für die Gen Z einen radikalen Wechsel vom behüteten Spieleparadies zur finsteren Zweckgebundenheit des Lebens. Zumal die eigenen Ansprüche an dieses Leben extrem hoch sind: auf jeden Fall will man erfolgreich sein und viel Geld verdienen; am besten als Startup-Millionär oder als Influencer mit unzähligen Followern. Aber der Weg dorthin ist vielen Jugendlichen unklar und wenig eingeübt. Entsprechend groß ist die Angst unterwegs zu scheitern. In den Tiefeninterviews mit Jugendlichen tauchen neben den Erfolgsstorys auch immer wieder die Schreckensbilder von Verarmung, Alleinsein und Drogenmissbrauch auf. So wird der Auszug aus dem Elternhaus oft weniger als Befreiung erlebt, sondern als eine unausweichliche Vertreibung aus dem Paradies.

In diesem Dilemma entwickelt die Gen Z verschiedene Strategien:

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