Hausmeister Adé! Facility Manager im Kommen!

19. Sep 2016 • News • Interconnection Consulting • Branchenstudien • Marktdaten • Marktanalyse • Bau & Wohnen • Handel & Dienstleistung • Produktion

Der Markt für extern vergebene Facility Services in Österreich, manchmal auch einfach Hausmeisterarbeit genannt, konnte das Geschäftsvolumen im vergangenen Jahr um +2,4% (wertmäßig) auf 5,1 Mrd. Euro steigern. Der Trend hin zur Auslagerung von Diensten rund um die Immobilie (Reinigung, Schneeräumung, Catering, Sicherheitsdienstleistungen, oder Gebäudewartung - um nur ein paar Bereiche zu nennen) ist ungebrochen. Insgesamt erwartet Interconnection Consulting in einer neuen Studie für das Facility Management eine durchschnittliche Steigerung von 3,0% jährlich bis 2019.


Branche profitiert vom Outsourcing-Trend

Seit 2009 ist die Quote für extern vergebene Dienstleistungen von 44,5% auf 52,3% gestiegen und damit ist noch nicht das Ende der Entwicklung in Richtung Auslagerung des Facility Managements erreicht. Unternehmen wollen sich gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf das Kerngeschäft fokussieren. Die Branche ist darüber hinaus weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen. „Basisdienstleistungen wie Sicherheit, Reinigung und technische Wartung sind nur im geringen Umfang von der wirtschaftlichen Aktivität abhängig, leiden jedoch unter den geringen Margen“, erklärt Andreas Erdpresser, Autor der Studie. Vor allem der starke Wettbewerb innerhalb der Branche, sowie die Verhandlungsstärke der Kunden drücken auf die Preise, erklärt Erdpresser. 2016 wird ein Wachstum der Branche von 2,9% erwartet.

Flüchtlingsstrom verstärkt Ausgaben in Sicherheit

Infrastrukturelle Dienstleistungen (z.B. Reinigung oder Catering) waren 2015 mit 3,6% das Segment mit der höchsten Wachstumsrate. Gerade im letzten Jahr konnten diese Art der Dienstleistungen aufgrund kollektivvertraglicher Anpassungen deutlich zulegen. Insgesamt liegt der Marktanteil infrastruktureller Dienstleistungen im Immobilienbereich bei 62%. Dieser Anteil wird jedoch bis 2018 zugunsten der technischen Dienstleistungen (z.B. Wartung, Störungsmanagement) etwas zurückgehen. „Für die nächsten Jahre haben technische Facility Services das größte Wachstumspotential“, weiß Erdpresser. Der Marktanteil der technischen Dienstleistungen wird sich von heute 31,7% bis 2018 auf 32,9% erhöhen. Konstant bleibt hingegen der Anteil der kaufmännischen Dienstleistungen, der 6,4% beträgt. Nicht zuletzt aufgrund der Flüchtlingskrise verzeichnete der Bereich der Bewachung einen deutlichen Anstieg, weshalb Sicherheitsdienstleistungen 2015 insgesamt um 5,4% zulegen konnten. Die Betreuung von Flüchtlingslagern – etwa durch den Sicherheitsdienstleister ORS Service GmbH oder von diesen beauftragten Subfirmen (Siwacht) – stellte noch bis vor einigen Monaten einen finanziell nicht zu vernachlässigenden Sektor dar.

Osteuropa als Spielwiese für österreichische Unternehmen

Die Anzahl österreichischer Unternehmen, die ihre Expansion im benachbarten Ausland vorantreiben wird immer größer, wobei insbesondere das aus Facility-Service-Sicht noch wenig „reife“ osteuropäische Ausland zunehmend zur Exploration neuer Absatzmärkte genutzt wird. Strabag, Reiwag, Blitzblank, First Facility, Markas, Simacek, Porreal oder Energiecomfort, gehören zu den wichtigsten österreichischen Ablegern in Osteuropa. Ein Großteil der Top-Unternehmen Österreichs ist bereits im Ausland vertreten, bzw. besteht aus internationalen Unternehmen. Der Anteil der größten Facility-Service-Unternehmen, die in der Österreich-Studie untersucht wurden (ca. 65 Unternehmen) hat eine Auslandspräsenz (42,7%). „Bei Nichtberücksichtigung einiger kleinerer Player würde der Prozentsatz der Unternehmen mit Auslandspräsenz noch um einiges höher sein“, gibt Erdpresser zu bedenken. Wenn es jedoch um eine flächendeckende internationale Ausrichtung geht, trennt sich Spreu von Weizen. Nur mehr rund ein Fünftel (20,6%) der Unternehmen sind in mehr als zehn Länder aktiv.

Komplettanbieter noch eine Randerscheinung

Am Markt gibt es vor allem für Komplettanbieter Potenzial. Komplettverträge machen derzeit 4,3% (Vorjahr 4,2%) aus und wachsen damit stärker als der Markt. „Wenn es Komplettanbietern gelingt ein durchgängig hohes Servicelevel zu halten, gehört ihnen die Zukunft“, so Erdpresser. Jedoch ist der Umstieg zum Komplettanbieter für Unternehmen mit starken Hürden verbunden, erklärt der Experte. Erstens: Viele Unternehmen trauen den Anbietern noch kein ganzheitliches Management zu, oder die Dienstleistungen werden erst recht vom Facility Services Dienstleister wieder an Sublieferanten weitervergeben, da diese nicht über Kompetenzen in allen Bereichen verfügen. Zweitens, sind die Barrieren und Kosten des Umstiegs, bzw. die Ressourcen, um ein ganzheitliches Facility Management im Unternehmen zu implementieren, sehr hoch. Drittens: Oftmals ist es aus Kundensicht günstiger mehrere Spezialisten (z.B. Catering, Sicherheit...) anstatt eines Gesamtanbieters mit der Übernahme von Facility-Dienstleistungen zu betrauen.

Marktkonzentration sehr gering

Der Markt für Facility Services ist in Österreich, wie in den meisten anderen Ländern auch, stark zersplittert und umfasst tausende, meist sehr kleine Betriebe. Die größten fünf Unternehmen haben zusammen nur 13,6% Marktanteil, die größten zehn 20,8%. In den nächsten Jahren wird sich der Wettbewerb verschärfen, Kostendruck kommt vor allem von Kundenseite. Um den extensiven Preiskampf nicht noch weiter zu verschärfen soll bei öffentlichen Ausschreibungen das Best-Bieterprinzip, anstelle dem Billigst-Bieterprinzip treten. Jedoch gestaltet sich die Umsetzung umso schwieriger, da bei Ausschreibungen mittlerweile immer wieder auch Rechtsstreitigkeiten aufgrund der komplexen gesetzlichen Bestimmungen einhergehen. Auch inwieweit es hier bereits eine (freiwillige) Umsetzung gab scheint von Facility-Service-Dienstleistern unterschiedlich wahrgenommen zu werden. Die Bundesbeschaffungs GmbH (BBG) etwa rühmt sich zumindest damit, das Bestbieterprinzip bei einem jährlichen Auftragsvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro bereits ohne gesetzliche Vorgaben umgesetzt zu haben. 

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