Lebensmittel-Gütezeichen auf dem Prüfstand

07. Feb 2018 • News • Greenpeace • Marktdaten • Umwelt & Ökologie • Land & Forst • Handel & Dienstleistung • Essen & Trinken

Fairtrade, MSC oder AMA – Im Supermarkt sind wir mit einer Vielzahl an Gütezeichen für Lebensmittel konfrontiert. Für was sie tatsächlich stehen, ist nicht immer klar erkenntlich. Einige schaden sogar mehr, als sie nützen. Der Gütezeichen-Guide „Zeichen-Tricks“ von Greenpeace will Orientierung bieten und aufzeigen, welchen Kennzeichen man vertrauen kann und welchen nicht.


Wir sind heute bei unserem Einkauf mit einem unüberschaubaren Dschungel von über 100 Gütesiegeln, Gütezeichen und Qualitätszeichen konfrontiert.  Greenpeace hat daher die 26 wichtigsten Gütezeichen, die von den zehn größten österreichischen Supermarktketten verwendet werden, genauer unter die Lupe genommen.

Bewertung

Gütesiegel und Bio-Marken im Vergleich

Wir sind heute bei unserem Einkauf mit einem unüberschaubaren Dschungel von über 100 Gütesiegeln, Gütezeichen und Qualitätszeichen konfrontiert. Viele KonsumentInnen wissen nicht mehr, welchen Kennzeichnungen sie vertrauen können. Greenpeace hat daher die 26 wichtigsten Gütezeichen, die von den zehn größten österreichischen Supermarktketten verwendet werden, genauer unter die Lupe genommen. Das alarmierende Ergebnis: Ein Drittel der Gütezeichen ist nicht vertrauenswürdig oder sogar kontraproduktiv für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Es ist aber nicht nur für KonsumentInnen schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Auch für den österreichischen Lebensmittelhandel ist die Herausforderung vor allem bei internationalen Gütezeichen und Zertifizierungssystemen enorm. Auch für große Einzelhandelsunternehmen ist es nahezu unmöglich nachzuprüfen, ob die Nachhaltigkeitsversprechen großer, globaler Nahrungsmittelkonzerne auch tatsächlich eingelöst werden. Es ist also eine Frage des Vertrauens – und genau dieses Vertrauen wird immer wieder missbraucht. Ein Beispiel für viele ist Unilever: der Konzern ist Mitbegründer des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Der weltweit größte Nutzer von Palmöl hat also selbst entscheidenden Einfluss auf die Regeln für sein eigenes – (scheinbar) nachhaltiges – Agieren. Das Ergebnis: Es gibt keine ökologisch nachhaltigen Verbesserungen; auch im Namen von RSPO werden Regenwälder niedergebrannt, um Raum für Ölpalmen zu schaffen und Monokulturen hochzuziehen. Doch RSPO ist nur einer von unzähligen sogenannten „Runden Tischen“ oder anderen derartigen industriegesteuerten „Nachhaltigkeitsinitiativen“. Die Nahrungsmittelindustrie hat gute Gründe, auf Gütezeichen zu setzen. Sie sind neben dem Preis der stärkste Verkaufsförderer. „Kritische KonsumentInnen“ wurden längst als einflussreiche und kaufkräftige Zielgruppe identifiziert. Doch anstatt verbindlichen Regelungen wie im Biobereich zu folgen, neue bahnbrechende Umweltstandards zu setzen oder gesetzliche Regelungen zu unterstützen, erfinden große Unternehmen gerne eigene Qualitätszeichen, um mit selbst geschriebenen, zumeist schwachen Regeln ihre selbst definierten „Nachhaltigkeitsziele“ zu erreichen. Nur selten haben solche Gütezeichen nachhaltig positive Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Im Gegenteil: Viele davon dienen dem alleinigen Ziel, noch mehr oder teurer zu verkaufen und zu demobilisieren, indem sie der Kritik Wind aus den Segeln nehmen. In Anbetracht der katastrophalen ökologischen Situation der Regenwälder oder der Weltmeere müsste z. B. der Konsum von Meeresfischen, Agrotreibstoffen aus Palmöl oder Soja-Futtermitteln deutlich sinken. Der Nachhaltigkeits-Etikettenschwindel, mit dem das Gewissen beruhigt wird, trägt aber dazu bei, dass der Konsum ungebremst weiter steigt und ein zusätzliches Kaufargument geschaffen wird. So verdrängt etwa angeblich nachhaltiger Meeresfisch den ökologisch weniger bedenklichen heimischen Süßwasserfisch – der Marketing-Clou: MSC ist ein von der Industrie dominiertes Zeichen, das kritische KonsumentInnen in die Irre führt. Durch diese schwarzen Schafe unter den Gütezeichen geraten die zahlreichen vorbildlichen Nachhaltigkeitsinitiativen und seriösen Gütesiegel in Verruf. Gerade die verantwortungsvoll agierenden Unternehmen müssen sich gegen diesen Missbrauch zur Wehr setzen. Mit der Einrichtung solcher Systeme sollen außerdem dort nationale und internationale staatliche Regulierungen unterlaufen werden, wo diese nicht ohnehin schon durch Freihandelsabkommen außer Kraft gesetzt worden sind. Mittlerweile hat sich eine milliardenschwere globale Gütezeichen-Industrie entwickelt, die stark korruptionsgefährdet ist. Die Rolle von Greenpeace ist klar: Als unabhängige Organisation, die kein Geld von Konzernen oder Regierungen annimmt, haben wir die Aufgabe, unbestechlich zu analysieren und zu informieren. Als global tätige Organisation können wir auch bei komplexen Fragen auf Daten aus allen Teilen dieses Planeten zugreifen.

 

Inhalt der Studie

  • Vorwort
  • Daten & Fakten
    • Lebensmittel-Produktion & Landwirtschaft in Österreich
    • Lebensmittel-Konsum in Österreich
  • Ein besseres Leben ist möglich
  • Warum unser Konsum Umweltprobleme verursacht
    • Fleisch
    • Fisch
    • Palmöl
    • Obst, Gemüse und Getreide
  • Gütezeichen & Co: Orientierung oder Greenwashing?
    • Fake-Zeichen und leere Versprechungen
    • Was sind Gütesiegel und Gütezeichen?
  • Gütezeichen-Analyse
    • agroVet Ei (HG)
    • AMA
    • AMA Bio
    • ASC
    • Bio Austria
    • Demeter
    • Donau Soja
    • EU-Bio
    • Fairtrade
    • Garantiert traditionelle Spezialität
    • GenussRegion Österreich
    • Geschützte geographische Angabe
    • Geschützte Ursprungsbezeichnung
    • GLOBAL G.A.P.
    • Heumilch mit AMA-Gütesiegel
    • MSC
    • Ohne Gentechnik hergestellt
    • Pro Planet
    • Prüf nach!
    • Rainforest Alliance
    • RSPO
    • Tierschutz-kontrolliert
    • Tierwohl kontrolliert
    • UTZ Certified
    • V-Label
    • Wiesenmilch
  • Nicht alles, was ein Logo ist, ist ein Gütezeichen
    • BIO Organic
    • BIO vom BERG
    • ECHT B!O
    • Ein gutes Stück Heimat Bio
    • ja! Natürlich.
    • Natur aktiv
    • Natur*pur
    • natürlich für uns bio
    • Zurück zum Ursprung
    • Blühendes Österreich
  • Alle Bewertungen auf einen Blick
  • Marktcheck: Der Sortiments-Check von Greenpeace
  • Schlusswort
  • Quellenverzeichnis

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