Macht spenden glücklich? - Die Motive hinter der Spendenbereitschaft

17. Jan 2019 • News • rheingold institut • Marktforschung • Blog & Paper • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft

Wer anderen hilft, stärkt damit das eigene Selbstwertgefühl und empfindet das eigene Leben zudem als sinnerfüllter. Helfen macht glücklich. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse einer Studie des rheingold instituts im Auftrag von Mc Donalds Deutschland. Doch warum ist das so, wie werden Menschen eigentlich zu Spendern und welche verborgenen Motive liegen noch hinter der Spendenbereitschaft? Studienleiterin Sabine Loch (rheingold institut) hat die Antworten auf diese Fragen.


Frau Loch, Sie haben mit Ihren tiefenpsychologischen Interviews festgestellt, dass Spender die glücklicheren Menschen sind. Macht denn das Spenden glücklich, oder sind glückliche Menschen einfach eher bereit zu Teilen?

Sabine Loch: Sowohl als auch. Wer in einer emotional stabilen Familie aufwächst, der lernt den Wert des Gebens, des Spendens schon in der Kindheit kennen. Wer hingegen finanzielle oder psychische Not erlebt hat, der empfindet sich auch später eher als arm und konzentriert sich darauf, das eigene Leben zu bewältigen. Damit verpassen die Nicht-Spender aber auch die konkreten Glücksmomente, die das Spenden auslöst.

Was führt denn genau zu diesen Glücksgefühlen?

Loch: Spenden stärkt das eigene Selbstwertgefühl, man empfindet sich als besseren Menschen. Noch stärker ist dieser Effekt bei Helfern ausgeprägt, die sich ganz konkret sozial engagieren. Diese fühlen sich als Säule der Gesellschaft. Bei den Spendern hingegen geht es auch um eine Balance des eigenen Lebens. Die Wahrnehmung von Armut und Not erweckt ein schlechtes Gewissen, das mit einem Dauerauftrag betäubt werden kann. Die Spende ist also auch ein unbewusster Ausgleich, um Fülle und Reichtum unbeschwerter genießen zu können.

Wenn das Spenden so positive Begleiterscheinungen hat, wie können aus Nichtspendern Spender werden?

Loch: In stabilen Familien gehört das Spenden quasi zum Reifeprozess dazu. Heranwachsende fühlen, dass sie mit zunehmendem Alter in den Kreis der Spender „aufsteigen“, sie beginnen, Verantwortung zu übernehmen. Manche spenden bereits von ihrem ersten eigenen Gehalt an.

Macht es also für die Spendenorganisationen Sinn, sich intensiv mit Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen?

Loch: Auf jeden Fall. Wer mit den Thema Spenden nicht aufwächst, der muss den Nutzen für das eigene Wohlbefinden erst erkennen. Das ist unter Umständen ein langwieriger Prozess. Für Spendenorganisationen ist es also sehr sinnvoll, ihre Aufmerksamkeit noch stärker auf Kinder und Jugendliche zu richten – also auf jene Lebensphase, in der die grundsätzliche Bereitschaft zum Helfen geprägt wird.

In früheren Studien, zum Beispiel für Plan, haben Sie genau diese Lebensphase untersucht. Was zeichnet sie besonders aus?

Loch: Im Teenageralter weitet sich plötzlich der Blick. Damit ist aber auch verbunden, dass viele furchterregende Nachrichten von Krieg, Armut und Umweltzerstörung relativ ungefiltert auf sie hereinströmen. Dem einen ist das zu viel und er schottet sich ab. Andere springen darauf an und wollen helfen, wollen die Welt retten. Das Schöne ist: In diesem Alter glauben sie sogar, dass sie es können. Hier haben die Hilfsorganisationen eine große Chance, das jugendliche Engagement in kleinen Projekten zu kanalisieren und die Heranwachsenden so langfristig zu binden.

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