Österreichs Zeitarbeitsbranche profitiert von Nebengeschäften

30. Sep 2016 • News • Interconnection Consulting • Branchenstudien • Marktdaten • Marktanalyse • Arbeitswelt

Nachdem 2014 noch ein Anstieg von Zeitarbeitern zu verzeichnen war, fiel die Zahl 2015 von 75.817 auf 74.674 (-1,5%). Trotz des Rückgangs ist der Umsatz der Zeitarbeitsbranche in Österreich um 2,6% gestiegen. Zum Umsatzwachstum trugen vor allem die Nachfrage nach höher qualifiziertem Personal, sowie Preisanpassungen und Lohnerhöhungen bei. Dabei zeigt die neue Studie von Interconnection Consulting, dass Dienstleistungen, die nicht im Kerngeschäft erbracht wurden, ein größeres Wachstum auswiesen.


Nachdem 2014 noch ein Anstieg von Zeitarbeitern zu verzeichnen war, fiel die Zahl 2015 von 75.817 auf 74.674 (-1,5%). Trotz des Rückgangs ist der Umsatz der Zeitarbeitsbranche in Österreich um 2,6% gestiegen. Zum Umsatzwachstum trugen vor allem die Nachfrage nach höher qualifiziertem Personal, sowie Preisanpassungen und Lohnerhöhungen bei. Dabei zeigt die neue Studie von Interconnection Consulting, dass Dienstleistungen, die nicht im Kerngeschäft erbracht wurden, ein größeres Wachstum auswiesen.

Wien ist schuld am Zeitarbeiterrückgang

Insgesamt wird nach dem leichten Rückgang 2015 in diesem Jahr wieder ein Anstieg für die Anzahl der Zeitarbeiter zurück auf das Niveau von 2014 erwartet. Damit soll auch wieder die Zeitarbeiterquote steigen, die zuletzt im Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitnehmer bei 2,11% lag und somit den niedrigsten Anteil seit 2010 aufwies. Regional betrachtet war vor allem Wien für den leichten Rückgang bei Zeitarbeitern verantwortlich. Mit 1.101 Zeitarbeitern weniger als 2014 betrug der Rückgang in der Hauptstadt 6,9%. Neben Wien verbuchten auch Steiermark (-6,5%) und Tirol (-2,4%) Rückgänge. Das größte Wachstum erzielte Burgenland mit +14,8%. Die meisten Zeitarbeiter sind in Oberösterreich tätig (21.297). Das gesamte Geschäftsvolumen der Zeitarbeitsbranche betrug im letzten Jahr 2,1 Mrd. Euro. Insgesamt nimmt das Kerngeschäft – die Vermittlung von Zeitarbeit – mit 85,6% den Löwenanteil des Geschäfts der Zeitarbeiterfirmen ein. Erst danach folgen die Bereiche Payroll (8,3%), Personalberatung (5,0%) und sonstige Aufgaben. Jedoch zeigt sich, dass die Bereiche Personalberatung und Payroll deutlich höhere Umsatzanstiege erzielen konnten, als der Gesamtmarkt für Zeitarbeit. Ohne dem Payroll-Geschäft läge der Umsatzanstieg der Branche bei nur 0,9%.

Pay-Roll ist neue Cash-Cow

Payroll stellt sich als die neue Cash-Cow für die Zeitarbeitsbranche dar. Insgesamt betrug das Wachstum im letzten Jahr 24,2%. Im Jahr zuvor betrug der Anstieg in diesem Segment gar 31,5%. Dabei setzte die Branche mit Payroll 2015 ca. 190 Mio. Euro um. „Der Vorteil durch Payroll bei Unternehmen ergibt sich aufgrund der Verrechnung“, meint Christian Gebhardt, Autor der Studie. Mit Payroll entstehen keine hohen Personalfixkosten, sodass die Personalkennzahlen im Kundenunternehmen begünstigt dargestellt werden können. Gegen eine Gebühr verbleibt die Lohnverrechnung beim zuständigen Zeitarbeitsunternehmen. Auch der Bereich der Personalberatung/Fixvermittlung konnte im vergangenen Jahr mit 6,3% über den Branchenschnitt steigen.

IT-Sektor ist neuer Wachstumssektor

Das größte Kundensegment für Zeitarbeit bleibt die Industrie, die im letzten Jahr rund 29.800 Zeitarbeiter beschäftigte – um etwa 400 weniger als noch 2014. Jedoch soll, laut Interconnection, die Anzahl der Zeitarbeiter in diesem Segment bis zum Prognosehorizont 2019 auf 32.500 ansteigen. Das zweite große Segment Gewerbe/Handwerk/Dienstleistungen musste leichte Rückgänge (-1,5%) bei der Anzahl an Zeitarbeitern hinnehmen. Insgesamt waren im letzten Jahr 28.200 Zeitarbeiter in diesem Segment tätig. Die Talsohle scheint der Bereich Tourismus&Freizeit durchschritten zu haben. Nach den herben Umsatzverlusten in den letzten Jahren, konnte sich das Geschäft in diesem Jahr wieder stabilisieren (+2,0% Umsatz). Positive Aussichten stellt der IT-Sektor bereit. Seit 2011 stieg dort die Anzahl der Zeitarbeiter von 2.400 auf 3.300. Bis 2019 werden von Interconnection 3.700 Zeitarbeiter für dieses Segment prognostiziert. Insgesamt verstärkt sich auch bei Zeitarbeit die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitspersonal. So ist der Anteil ungelernter Arbeitnehmer seit 2011 von 19,8% auf 16,4% gesunken. Der Anteil hochqualifizierter Zeitarbeiter stieg im gleichen Zeitraum von 5,8 auf 6,8%.

Viele „Kleine“ machen Preise kaputt

2015 gab es in Österreich 2.137 Zeitarbeitsunternehmen (2014: 2000). Was die Marktkonzentration betrifft, so nehmen die Top-10 Unternehmen im Jahr 2015 47,7% des Marktes ein, was eine geringfügige Erhöhung der Marktkonzentration gegenüber 2014 bedeutet. Die Top 63 Unternehmen der Branche erwirtschaften derzeit rund vier Fünftel des Umsatzes, des gesamten österreichischen Zeitarbeitsmarktes. Dies zeigt deutlich, dass es neben ein paar sehr großen Playern und noch viel mehr mittelständischen Unternehmen noch eine Vielzahl Kleinstbetriebe am Markt gibt. Die kleinen Unternehmen übernehmen oft Aufträge, die keine Marge ermöglicht und existenzgefährdend sind. „Diese Handlungsweise ist jedoch nicht nur für Auftragnehmer, sondern für die gesamte Branche problematisch“, erklärt Gebhardt.

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