Veganer würden bis zu 50 Prozent mehr für Lebensmittel bezahlen

20. Apr 2018 • News • meinungsraum.at • Marktforschung • Umwelt & Ökologie • Tourismus, Freizeit & Sport • Handel & Dienstleistung • Essen & Trinken • Gastronomie

Immer mehr Menschen in Österreich wollen kein Fleisch essen. Zehn Prozent der Österreicher ernähren sich bereits vegetarisch oder vegan. Vor 13 Jahren waren es gerade mal drei Prozent. Das zeigt eine Studie von meinungsraum.at. Veganer würden bis zu 50 Prozent mehr für Lebensmittel bezahlen


Es zählt die Qualität und nicht der Preis

Laut meinungsraum.at-Studie wären Veganer bereit für nachhaltige Produkte bis zu 50 Prozent mehr zu bezahlen. Vegetarier würden fast 30 und Flexitarier rund 25 Prozent aufzahlen. Die Flexitarier liegen damit nur wenig über dem Niveau der Mischkost-Esser. Felix Josef, Geschäftsführer der Wirtschaftsanalytische Forschung GmbH Triconsult: „Man sieht, dass vor allem die Veganer und die Vegetarier eine deutlich erhöhte Zahlungsbereitschaft haben. Interessant ist dabei, dass bei Veganern und Vegetariern eine Aufzahlungsbereitschaft unabhängig vom Einkommen besteht. Kaufentscheidungen sind also nicht in erster Linie Preis-Leistungs-Getrieben, sondern im Vordergrund stehen Themen wie Tierversuchsfreiheit (86%), eine nachhaltige Erzeugung (48%) und genaue Kennzeichnung der Produkte (60%).“ Bewusster Konsum ist Vegetariern und Veganern vor allem bei der Ernährung aber auch pflegenden Kosmetik wichtig. Zudem werden auch Haushalts- und Reinigungsmittel deutlich bewusster ausgewählt. „Über die Produktkategorien zeigen sich deutlich die Unterschiede zwischen den Mischessern und jenen, die auf alternative Ernährungsformen setzen: In fast allen Produktkategorien legen Vegetarier und Veganer doppelt so häufig Wert auf bewussten Konsum“, so Triconsult-Geschäftsführer Josef.

Ethik und Umwelt führen zu Fleischverzicht

Flexitarier, Vegetarier und Veganer sind zu rund 65 Prozent gegen Massentierhaltung. Auf Fleisch verzichten Vegetarier (87%) und Veganer (85%) vor allem wegen moralisch ethischer Gründe. 31 Prozent der Vegetarier mögen aber auch den Geschmack von Fleisch nicht. Flexitarier wenden sich zwar ebenfalls gegen die industrielle Massentierhaltung, es steht aber die Hormonfreiheit des Fleisches beziehungsweise die gesunde Ernährung (46%) im Vordergrund. meinungsraum.at-Geschäftsführer Kling: „Um die zu den eigenen Anforderungen passenden Produkte zu erstehen, betreiben fast die Hälfte der Sonderernährer einen sehr großen Aufwand. In der Gesamtbevölkerung tun dies nur 15 Prozent.“ Flexitarier informieren sich kaum über vegane oder vegetarische Produkte, die beiden anderen tun dies sehr wohl und das hauptsächlich im Internet. Das vermehrte soziale Engagement der Veganer und Vegetarier schlägt sich auch in der Unterstützung für Vereine sowie NGOs nieder. Umwelt-, Natur- und Tierschutz findet zwar bei allen befragten Gruppen die meiste aktive Unterstützung, jedoch zeigt sich bei den Veganern und Vegetariern mit 80 Prozent ein deutlich höheres Engagement. Im Vergleich dazu setzen sich nur 34 Prozent der Gesamtbevölkerung für solche Vereine ein. meinungsraum.at-Geschäftsführer Kling: „Insgesamt zeigt die aktuelle Studie, dass spezielle Ernährungsgruppen einen deutlich höheren Aufwand betreiben, um die für den eigenen Lebensstil passenden Produkte zu finden. Zudem sind sie dafür bereit, auch deutlich mehr Geld auszugeben. Für den Handel sind Vegetarier und Veganer eine lukrative Zielgruppe.“

Entwicklung Ernährungsformen - Österreich 2005 bis 2017

Veganismus uns Vegetarismus haben sich in den letzten Jahren stark nach oben entwickelt. Lagen diese Ernährungsformen 2005 noch bei rund 3%, sind es 2017 mit 10% fast 3 mal so viele Menschen. Ein Grund näher anzusehen, wie diese Gruppe in Konsumfragen tickt.

Inhalte der Studie

  • Entwicklung Ernährungsformen - Österreich
  • Bereitschaft zur Auszahlung für passende Produkte v.a. bei Veganern und Vegetariern sehr hoch
  • Aufzahlungsbereitschaft über die Einkommensklassen
  • Kriterien für Kaufentscheidung bei Produkten des täglichen Bedarfs: Nachhaltigkeit und Kennzeichung stehen im Vordergrund
  • Bewusster Konsum für Veganer und Vegetarier wichtiger als für Restbevölkerung. Im Vordergrund stehen „körpernahe“ Produkte wie Ernährung und Kosmetik.
  • Gründe gegen (vermehrten) Fleischkonsum: Allen gemeinsam: Gegen Industrielle Massentierhaltung
  • Veganer und Vegetarier ethisch/moralisch geprägt, Flexitariern geht es um Gesundheit.
  • Veganer und Vegetarier betreiben deutlich höheren Aufwand um den Anforderungen entsprechende Lebensmittel zu kaufen
  • Häufigste Informationsquelle ist das Internet, Flexitarier informieren sich kaum.
  • Veganer/Vegetarier unterstützen deutlich häufiger NGOs/Vereine/Organisationen

Zusammenfassung der Studien-Ergebnisse

  • Veganismus uns Vegetarismus haben sich in den letzten Jahren stark nach oben entwickelt. Lagen diese Ernährungsformen 2005 noch bei rund 3%, sind es 2017 mit 10% fast 3 mal so viele Menschen. Ein Grund näher anzusehen, wie diese Gruppe in Konsumfragen tickt.
  • Beim Einkauf von nachhaltigen Produkten zeigen Veganer mit einem Aufschlag von fast 50% die höchste Aufzahlungsbereitschaft, Vegetarier (fast 30%) und Flexitarier liegen mit 25% etwas über den Mischkost-Essern. Man sieht, dass vor allem die Veganer und die Vegetarier eine deutlich erhöhte Zahlungsbereitschaft haben.
  • Besonders Interessant: Diese Aufzahlungsbereitschaft ist bei den Veganern/Vegetariern unabhängig vom Einkommen. o Kaufentscheidungen sind demgemäß auch weniger Preis- Leistungsgetrieben. Im Vordergrund steht Tierversuchsfreiheit und Nachhaltige Erzeugung und genaue Kennzeichnung der Produkte.
  • Bewusster Konsum ist der Vegetarier/Veganer Gruppe vor allem bei Ernährung und bei der Pflegenden Kosmetik wichtig. Aber auch Haushalts- und Reinigungsmittel werden deutlich bewusster ausgewählt.
  • Über die Produktkategorien zeigen sich deutlich die Unterschiede zwischen den Mischessern und jenen, die auf alternative Ernährungsformen setzen: In fast allen Produktkategorien legen die Vegetarier/Veganer doppelt so häufig Wert auf bewussten Konsum.
  • Was sind aber die Beweggründe für die Abkehr von Fleisch? Neben der Einigkeit gegen Massentierhaltung gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen:
    • Veganer: sehen vor allem moralisch ethische Gründe und sehen in Welthunger und Armut ein Thema, sind also stark moralisch getrieben.
    • Vegetarier: sehen ebenso Ethisch moralische Gründe, Ablehnung von Fleisch (Geschmack) spielt hier eine deutlich höhere Rolle als in den anderen Gruppen.
    • Flexitarier: Wenden sich ebenfalls gegen die industrielle Massentierhaltung, es steht aber eher die gesunde Ernährung/keine Medikamente im Essen im Vordergrund. o Um die zu den eigenen Anforderungen passenden Produkte zu erstehen betreiben fast die Hälfte der Sonderernährer einen sehr großen Aufwand, in der Gesamtbevölkerung tun dies nur 15%.
  • Flexitarier informieren sich kaum über vegane/vegetarische Produkte, die beiden anderen tun dies sehr wohl und zwar hauptsächlich im Internet.
  • Das vermehrte Soziale Engagement der Veganer/Vegetarier lässt sich auch am Engagement für Vereine/NGOs festmachen: Die stärkste Unterstützung erfahren Umwelt- Natur- und Tierschutz mit 80%, demgegenüber stehen 34% aus der Gesamtbevölkerung, die solche Vereine unterstützen.

Studiensteckbrief

  • Auftraggeber: meinungsraum.at - Eigenstudie
  • Thematik: Vegetarier/Veganer
  • Zielgruppe: ÖsterreicherInnen im Alter von 16 bis 70 Jahren und älter, repräsentativ nach Geschlecht, Alter, Schulbildung und Bundesland - Boost auf Vegetarier und Veganer
  • Stichprobenmethode: Panel-Umfrage anhand des meinungsraum.at online-Panel (dzt. rund 30.000 PanelistInnen in ganz
  • Österreich)
  • Nettostichprobe: 1.000 Interviews 850 ÖREP + 150 Vegetarier/Veganer
  • Interviewdauer: ca. 7 Minuten
  • Feldzeit: 09.03.2018 bis 06.04.2018

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