Wahlforschung diskutiert Wahlumfragen

08. Mai 2016 • News • Marktforschung • Wirtschaft, Politik & Gesellschaft

Die Crème de la Crème der österreichischen Marktforschung traf sich, um die Nachwehen der Wahlforschungsergebnisse zur Bundespräsidentschaftswahl 2016 zu diskutieren. Bei der Ablehnung eines Umfrageverbotes vor Wahlen waren sich alle Teilnehmer einig. Und auch der Ruf nach mehr Grundlagenforschung war zu hören.


„Wahlforschung – sind Ergebnisse heute noch prognostizierbar?" war das Thema des Diskussionsabends am 28. April, zu dem der Verband der Marktforscher Österreichs (VMÖ) ins Wiener Studio 69 eingeladen hat.

Günther Ogris, Geschäftsführer von SORA, eröffnete die Diskussion mit einem Impulsreferat zum Thema Wahlforschung und zeigte die Treffsicherheit und Fehler von Wahlprognosen anhand österreichischer und internationaler Beispiele.


Günther Ogris (SORA) beim Impulsreferat

Grundtenor: Politik wird unberechenbarer und kurzfristiger und die Wähler immer beweglicher und wechselwilliger. Stammwähler als verlässliche Basis kommen Politik und Wahlforschung abhanden. Gerade bei Persönlichkeitswahlen funktionieren die erprobten Modelle nicht, da die statistische Basis zur Hochrechnung fehle. In Österreich fehlt auch der forschungspolitische Wille und das liebe Geld, um die notwendige Grundlagenforschung als Basis für valide Prognosemodelle zu betreiben, so Ogris. Das Wissen um die besten Methoden und Modelle sei vorhanden, doch die statitischen Interprätationen sind, bedingt durch die fehlende Grundlagenforschung, "solides Kunsthandwerk".

In der nachfolgenden Diskussion (Moderator Robert Sobotka) mit Günther Ogris, Werner Beutelmeyer (Market Institut, Karin Cwrtila (OGM) und Paul Eiselsberg (IMAS) war man sich in einem Punkt schnell einig. Ein Umfrageverbot unmittelbar vor Wahlen, wie kürzlich von den Koalitionsparteien gefordert, widerspricht der Medien und Meinungsfreiheit. Umfrageverbote würden, beispielsweise auch von internationalen Anbietern, ignoriert werden.

Die Institute müssen von den Medien, also den Auftraggebern, mehr Transparenz bei der Berichterstattung einfordern. Studiendetails wie Stichprobengröße, Schwankungsbreiten, Datum und genaue Fragestellungen sollen bei der Berichterstattung zwingend kommuniziert werden.

Besprochen wurden unter anderem die Fragen nach einem Gütesiegel für Meinungsumfragen, um einen einheitlichen Qualitätsstandard zu erreichen. Die Qualitätskriterien der ESOMAR beinhalten diese Qualitätskriterien zum Teil. Die Institute könnten sich auf Qualitätskriterien, wie beispielsweise Untergrenzen bei den Stichproben, einigen.

Bei der Diskussion über die Methodik zeigten sich, vor allem bei der Frage "on- oder offline", eine gewisse Diskrepanz. Die Vertreter der Onlinemarktforschung waren am Podium etwas unterrepräsentiert. Einen validen Vergleich der unterschiedlichen Methoden gibt es nicht. Der Interviewer-Bias bei persönlichen oder telefonischen Interviews sollte aber, gerade in der Wahlforschung, nicht unterschätzt werden.


Paul Eiselsberg, Karin Cvrtila, Robert Sobotka, Günther Ogris, Werner Beutelmeyer

Die selbst auferlegte Schweigepflicht der Tageszeitung "Heute", vor der bevorstehenden Stichwahl keine Umfrageergebnisse zu veröffentlichen, konnte Gunther Oswalder (marktmeinungmensch) nicht glauben: Er spendet ein Fass Bier für die nächste VMÖ-Veranstaltung, falls "Heute" das Gelübde einhält.

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Bildquellen: marktmeinungmensch

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