Westeuropäische Wohnbauindustrie kommt allmählich in Schwung

22. Mär 2016 • News • Interconnection Consulting • Branchenstudien • Marktdaten • Marktforschung • Wirtschaftsstatistik • Bau & Wohnen

2015 schaffte der Wohnbausektor in Westeuropa nach langen Jahren der Stagnation und des Abschwunges mit einem Anstieg von 1,7% in Menge und 6,6% in Wert eine Trendwende. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1,027 Mio. neue Wohneinheiten in Westeuropa errichtet. Ab 2016 wird aufgrund stärkerer staatlicher Investitionen ein stabiles Wachstum im Wohnbau erwartet, wie eine neue Studie von Interconnection Consulting zeigt.

Wohnbau profitiert vom Bauboom in Großbritannien

Ein wesentlicher Teil des guten Ergebnisses im Wohnbau in Westeuropa ist dem Bauboom in Großbritannien, sowie der Aufwertung des britischen Pfund gegenüber dem Euro zu verdanken (+6,2% in Menge, +20,4% in Wert). Der zweite Treiber im Wohnbausegment war Deutschland, welches seine Wohnbautätigkeit im vergangenen Jahr um 4,5% erhöhte. Auch in Spanien hat der Wohnbausektor anscheinend die Krise bewältigt, die zu einem Absturz der Wohnbauaktivität um 91,4% in den letzten 10 Jahren führte. Nun könnte mit einem erstmaligen Wachstum von 1,5% eine Trendwende eingeläutet werden. Anstiege im Wohnbausegment erzielten auch die Länder Schweiz, Norwegen, Schweden und die Niederlande. Eine leichte Erholung verzeichnete auch Frankreich – mit 282.268 Wohneinheiten die größte Wohnbauindustrie Europas. Während 2014 das Minus noch 10,5% betrug, war die Wohnbautätigkeit im vergangenen Jahr nur noch leicht rückläufig (-0,8%). Herbe Verluste in der Wohnbauaktivität mussten hingegen Länder wie Dänemark (-12,5%), Italien (-7,2%) und Österreich (-4,7%) hinnehmen, die vor allem unter der Sparpolitik ihrer Regierungen leiden.

Staat als Wachstumslokomotive

Die Zukunftsaussichten werden von den Interconnection-Experten sehr positiv beurteilt. Bis 2019 soll die Bautätigkeit jährlich um 2,7% ansteigen. Die optimistischen Aussichten werden unterstützt von einem Anstieg der Baubewilligungen für neue Wohneinheiten. Die Anzahl der Baubewilligungen 2015 betrug 1,171 Millionen und lag damit 3,1% höher als 2014. Das Wachstum wird vor allem forciert, durch wachsende Ausgaben des öffentlichen Sektors in staatliche Wohnbaupakete. „Damit will der öffentliche Sektor die steigende Nachfrage nach Wohnungen in den Metropolregionen befriedigen und gleichzeitig durch staatliche Investitionen die nationale Wirtschaft ankurbeln“, erklärt Ernst Rumpeltes, Autor der Studie. Weitere Impulse für den Wohnbau werden auch durch die Flüchtlingssituation erwartet. So prognostiziert Interconnection, dass bis 2019 pro Jahr die Anzahl der neugebauten Wohnungen um 3% ansteigen wird. Insgesamt beträgt der Anteil der Wohnungen am gesamten Wohnbaumarkt in Westeuropa 55,2% und soll laut Interconnection bis 2019 auf 56,1% weiter ansteigen. Dementsprechend ist der Anteil der neugebauten Ein- und Zweifamilienhäuser in den nächsten Jahren rückläufig. Eine weitere Konsequenz, die aus den staatlichen Wohnbauförderprogrammen erwächst, ist ein sinkender Anteil der Renovierungstätigkeiten am gesamten Wohnbaumarkt.

Baubewilligung: Finnen hui, Franzosen und Italiener pfui

Grundlage für jedes Bauvorhaben ist die Baubewilligung. Es macht jedoch einen großen Unterschied ob man in Finnland oder in Italien einen Antrag auf Baubewilligung stellt. So dauert der Prozess der Baubewilligung in Italien insgesamt 234 Tage während dieser in Finnland innerhalb von 66 Tagen abgeschlossen ist. Auch in Österreich mahlen die Mühlen der Behörden langsam. Obwohl in Österreich „nur“ 13 Amtswege zu erledigen sind – zum Vergleich in Finnland sind es 16 –um eine Baubewilligung zu erhalten, kann man erst durchschnittlich nach 194 Tagen mit einem positiven Baubewilligungsbescheid rechnen. Des Weiteren fallen die Kosten einer Baubewilligung in den jeweiligen Ländern äußerst unterschiedlich aus. In Deutschland betragen die Gesamtkosten 46,7% eines durchschnittlichen Monatseinkommens, in Frankreich muss man fast zweieinhalb Monate Arbeiten um sich eine Baubewilligung leisten zu können.

Die für diese Studie untersuchten Länder waren: Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland

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